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Sven Bergmann: „Die Tochter” im Dritten Jahrtausend

Leben wir in einem „postheroischen“ Zeitalter? Diese Diagnose jedenfalls hat der Politikwissenschaftler Herfried Münkler den westlichen Wohlstandsgesellschaften des dritten Jahrtausends gestellt.

Eine Ansage Eugen Rosenstock-Huessys

Während Familien der Dritten Welt immer neue Armeen junger Männer ins Gefecht würfen, mieden die kinderarmen westlichen Gesellschaften den Opfertod und verließen sich auf ihre technologische Überlegenheit: „Die postheroische Gesellschaft verfügt nicht über eine befriedete Welt. Sie muss darum heroische Gemeinschaften ausdifferenzieren, die ihre labile Kollektivpsyche schützen.“1 Auch Peter Sloterdijk stellt dem institutionalisierten Europa kein optimistisches Zeugnis aus. Ironisch konzediert er dem abgedankten Kontinent immerhin ein ewiges Leben als museales Zitat.2

Ohne Zweifel gehört Eugen Rosenstock-Huessy mit Edward Gibbon, Karl Marx, Friedrich Engels, Friedrich Nietzsche, Eduard Meyer, Max und Alfred Weber, Oswald Spengler, Arnold Toynbee, Carl Schmitt, Eric Voegelin, Friedrich Heer, Johan Huizinga, Alexander Rüstow, William Mc Neill oder Karl Loewenstein zur Phalanx politischer Denker, deren Horizont weit über die abendländische, europäische oder westliche Perspektive hinausgreift. Sein Werk „Out of Revolution“ ziert eine Karte, die im Vorraum des Sitzungssaals der Vereinten Nationen in New York hängt: “The world adjusted to nowhere“. Eine seiner bleibenden Erkenntnisse und Lehren aus dem I. Weltkrieg lautet: „Die Erde ist rund geworden.“ Die alte – veraltete – Sicht, die aus der Mitte Europas über die Welt streifte und von dort aus West und Ost zu erschließen glaubte, hatte sich überholt.3

Wenn Sie jetzt sich entschließen würden, nach New York zu fahren in den Sitzungssaal der Vereinten Nationen, so würden Sie vielleicht sehr kritisch sein gegen das Funktionieren der Vereinten Nationen. Sie würden aber verblüfft stehen vor dem Wandbild, einer Landkarte, die so geordnet ist, daß die beiden Pole, Nordpol und Südpol, die Mittelpunkte einer Ellipse bilden und die Erdteile kreisförmig um diese Pole herumschwingen; das heißt, man hat eine Projektion gefunden, die es vermeidet, irgendein Land dieses Globus, dieses Planeten in die Mitte zu setzen.4

Mit dem amerikanischen Kreuzzug gegen die alte Welt, mit der russischen Revolution und mit der Entthronung der zum Teil tausendjährigen glänzenden Reiche in China, in Indien, in Afrika, in Persien, im Nahen Osten oder in Osteuropa hatte sich die Ausgangslage politischer Debatten grundlegend verändert. Die alten Gewissheiten taugten nicht mehr. Wie sich der Rechtshistoriker und Weltkriegssoldat vor dieser Herausforderung neu orientierte zeigt keine seiner Schriften so exemplarisch wie die 1920 im Patmos Verlag erschienene „Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution“, in der man auch eine früh kondensierte Form seiner späteren, nach dem Zweiten Weltkrieg erschienenen Soziologie sehen kann. In der Schrift durchlebt er die Etappen des Krieges, beschreibt revolutionäre Veränderungen seiner Gegenwart in Universität, Kirche und Staat und gibt einen Ausblick auf die Zukunft: „Im Frieden“. In drei Abschnitten, „Die Arbeitsgemeinschaft“, „Die Tochter“ und „Menschheit und Menschengeschlecht“ gibt er eine Ahnung von dem, was die Menschen im dritten Jahrtausend erwartet. Seine engsten Freunde Hans Ehrenberg in seiner dialogischen „Disputation“ oder Franz Rosenzweig in den drei Teilen seines „Stern der Erlösung“ wählten einen ähnlichen Aufbau. Die drei Kapitel stehen jeweils für einen spezifischen Aspekt der Zukunft, erschließen ihre Stoßrichtung aber nur in wechselseitiger Verschränkung.

Die – katholisch-mittelalterliche – Kirche kennt den Schutz des Menschen vor der Natur. Denn die Natur ist verzaubert und der Seele des Menschen gefährlich. Sie ist sein Feind, den der Priester beschwört, wie er die Ernte durch seinen Segen schützt. Das ist die Religion und die Autorität der Kirche. Der neue – protestantisch-neuzeitliche – Staat kennt den Schutz und die Pflege der Natur. Sie ist sein Häftling, den er zurechtstutzt und dämpft und korrigiert, wie er das Vöglein in seinem Salonkäfig füttert. Das ist das Privileg und die Hoheit des Staats. Die neue Welt der Technik aber fordert den Schutz des Menschen durch die Natur. Ihr Weg geht quer durch die Leidenschaften der Natur, durch die Entfesselung der Elemente. Die Männer der Technik begreifen den kirchlichen Aberglauben gegen die Natur ebensowenig wie die Staatsprivilegien über die Natur. Denn ihre Kräfte, ihre Funken, ihre Drähte, ihre Flugzeuge, ihre Schiffe, ihre Meßapparate überstürmen die ganze Erde. Darum kennen sie nur die Gesellschaft, die an der Durchkräftigung der ganzen Erde tätige Gesellschaft. Die Gliederung in einzelne Länder und Erdteile ist für die neue Welt der Arbeit nur ein Unterfall der Einheit der menschlichen Gesellschaft. Die Zerstreuung der einzelnen Menschen in ihrem Kampf ums Dasein ist für sie nur ein Unterfall des Kampfes der ganzen Menschheit um die Entzauberung, Befreiung und Vollendung der Natur. Freilich stürmen diese Kräfte über die ganze Erde hinweg und umspannen sie mit Leichtigkeit. Darum einigen sie die ganze Erde; darum zwingen sie das ganze Menschengeschlecht zum Zusammenwirken.5

Wie müssen wir uns die Zukunft der Menschheit vorstellen? Als das Ideal einer liberalen Welthandelsgesellschaft für die Francis Fukuyama 1989 das „Ende der Geschichte“ erneut in Anschlag brachte? Als allwissende Weltregierung, die nationale Konflikte oder Staatenkriege verhindert? Oder doch als die Utopie einer sozialistischen Weltkommune von der Thomas Morus bereits Anfang des 16. Jahrhunderts handelte? Herausgefordert durch Krieg und Revolution entstand die ganz eigenständige und bisher in dieser Dimension noch gar nicht erkannte Position Eugen Rosenstock-Huessys.6 Gerade aus der Erschütterung des Ersten Weltkriegs und dem Blutbad der Siegfriedsöhne, das er in Verdun am eigenen Leib gespürt hatte, ergab sich ihm eine ganz andere Zukunft.

Den Männern ist das Herz gebrochen. Deutschland ist ein großes Krankenzimmer. Es ist ein schlechtes Volk, daß heut kraftvoll sein Geschäft betreibt und losbricht zur Arbeit mit schäumender Kraft: Schieber sind es, ob nun in Wissenschaft, Politik oder Künsten oder Handel… Männer können die Ärzte nicht sein… Der männliche Geist ist ausgelaugt. Er salzt nicht mehr.7

Er nahm Weltkrieg und Revolution als wirkliche Zeichen einer Wende der Weltgeschichte. Und für diese Wende erwartete er den Auftritt der Tochter als der bisher im vierfältigen Familiengeflecht am wenigsten zu Stimme gelangten Position:

Früher hätte ein Vater seiner Tochter niemals erlaubt, Freud, Gandhi, Marx, Admiral Byrd oder Leslie Howard zu verehren. Er wäre der eifersüchtige Gott gewesen. Moderne Frauen probieren viele Gottheiten aus, viele Lehrgebäude und viele Kochrezepte, ehe sie heiraten. Der Platz des Vaters, dieser einen großen persönlichen Autorität für Werte wird von einer anonymen Zeitgenossenschaft eingenommen.8

Im folgenden wollen wir uns dem Entwurf „Die Tochter“ widmen. Der vielleicht überraschendste Teil des perspektivischen Trios kann in seiner Bedeutung kaum überschätzt werden, zumal die Thematik zugleich den Abschluß der dreibändigen Soziologie bildet, an der der Autor bis Ende der 50er Jahre arbeitete. Dort heißt das Kapitel „Antiope oder die Binität“, zum Teil mit wörtlichen Zitaten aus „Der Tochter“.9 Mit dem Topos der Tochter verbinden sich die drei großen zeitgenössischen Emanzipationsbewegungen gegen den patriarchalen Status quo: die Frauenbewegung, die Arbeiterbewegung und die Jugendbewegung: „Die Industrie ist ein Riesenarbeitshaus, eine Ökonomie, die alle einzelnen Haushalte verschlingt. Die Frau muß Mensch werden, weil sie in die Welt hinausgefallen ist und dort nun wie ein Mann arbeiten soll. Das kann sie nicht.“10 Für Eugen Rosenstock-Huessy war Gewissheit was für Friedrich Engels noch Erwartung war:

Hier zeigt sich schon, daß die Befreiung der Frau, ihre Gleichstellung mit dem Manne, eine Unmöglichkeit ist und bleibt, so lange die Frau von der gesellschaftlichen produktiven Arbeit ausgeschlossen und auf die häusliche Privatarbeit beschränkt bleibt. Die Befreiung der Frau wird erst möglich, sobald diese auf großem, gesellschaftlichen Maßstab an der Produktion sich beteiligen kann, und die häusliche Arbeit sie nur noch in unbedeutenden Maß in Anspruch nimmt. Und dies ist erst möglich geworden durch die moderne große Industrie, die nicht nur Frauenarbeit auf großer Stufenleiter zuläßt, sondern förmlich nach ihr verlangt, und die auch die private Hausarbeit mehr und mehr in eine öffentliche Industrie aufzulösen strebt.[23] [^23]: Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. Text (= MEGA, I.Abt., Bd.29), Berlin: Dietz Verlag 1990, S.256.

Aufbauend auf dem Kapitel über die Arbeitsteilung, in dem Eugen Rosenstock-Huessy die Ehe als Vorbild und Maßstab der menschlichen Schöpferkraft zur Überwindung und Einhegung fundamental gegensätzlicher Elemente bestimmte, leitet er seinen Essay „Die Tochter“ mit der totalen Erschöpfung der bisher dominierenden Söhne ein. Und doch muß die Wahl dieses Titels erstaunen, zumindest für eine politische Stellungnahme des Jahres 1920. Aufschluß bringt der Textverweis auf das gleichnamige Werk von Johann Wolfgang von Goethe: „Die natürliche Tochter“. Vor dem Hintergrund der klassischen Bildung der seinerzeitigen Leser mögen weitere Hinweise überflüssig gewesen sein. Heute dürfte außerhalb von Germanistenkreisen selbst die Existenz eines solchen Dramas „des Dichters“ unbekannt sein. Dabei handelt es sich um Goethes Suche nach einer Position angesichts der Herausforderung der Französischen Revolution; ein unvollendet gebliebenes Projekt, aber immerhin „Goethes bedeutendstes Drama in seiner zweiten Lebenshälfte“.11 Und für Eugen Rosenstock und seinen Freund Franz Rosenzweig markierte dieses Ereignis einen elementaren Bezugspunkt ihrer politischen Orientierung wie ihr Briefwechsel zwischen den Fronten des Ersten Weltkriegs dokumentiert.12

An seiner Soziologie hat der Autor über vierzig Jahre gearbeitet, immer wieder unterbrochen von vordringlichen politischen und gesellschaftlichen Prioritäten, in der Hoffnung eine erahnte Katastrophe abzuwenden. Mit der Tochter knüpft er bei Goethe an, aber mit der Antiope weitet er den Blick in die gar nicht graue Vorzeit, die Zeit von Tierzucht, Metallverarbeitung, Astronomie und Schiffbau, also just dem Zeithorizont, den er in seiner Göttingen Vorlesung von 1950 angemahnt hatte. Seine Forderung wurde knapp 50 Jahre später eingelöst, nicht von den angesprochenen Historikern sondern von einem Professor für Kunst, Klaus Theweleit.13

Diesem Feld wollen wir uns um Folgenden zuwenden, der Argumentation in „Die Tochter“, der Parallele zu Goethes Drama, dem historischen Kontext der Frauenbewegung und schließlich der „Antiope“, die ihn so beschäftigte, daß er seiner langjährigen Brieffreundin Sabine Leibholz-Bonhoeffer das gleichnamige Gedicht widmete.

Die Tochter

*Die Tochter ist ja heute viel interessanter, weil sie zum ersten Mal in die ganze Gesellschaft eintritt. Weil heute die Mündigkeit des Mädchens eine Urbedingung unserer weiteren Existenz ist, dieses Mündigwerden, dieses sich nicht mehr auf die väterliche oder mütterliche Religion einfach verlassen können. Sie müssen ja Ihren Glauben selber bekennen. Das hat früher ein Mädchen nicht tun müssen. Sie hat mit sechzehn Jahren oft geheiratet. Da war die Autorität der Eltern noch nicht erloschen. Und dann trat sie schon in eine neue Welt ihres Mannes ein. Heute hätte der Mann überhaupt keinen Himmel über sich, wenn die Frau ihm diese Wortkraft nicht zubringt. Sie muß also sich selber etwas an Mündigkeit erwerben. Und deswegen studieren Sie. Deswegen haben Sie Berufe. Das ist ja alles unglaublich neu und ist ja noch lange nicht verkraftet. Denn zunächst hat man ganz naiv die Töchter erzogen wie die Söhne. Ich hoffe, es kommt der Tag, wo Sie, meine Damen, dagegen protestieren werden und Ihre Töchter davor bewahren werden, daß Sie hier auf so häßlichen Bänken sitzen müssen und Ihren Körper dabei ruinieren.[^27] [^27]: Eugen Rosenstock-Huessy, Die Gesetze der christlichen Zeitrechnung. Gastvorlesung an der theologischen Fakultät der Universität Münster/Westfalen Sommersemester 1958, hrsg.v. Rudolf Hermeier und Jochen Lübbers, Münster: agenda Verlag 2002, S.151/152.

Man sieht dem Essay über die Tochter Satz für Satz an, daß er im Schatten des Ersten Weltkrieges entstanden ist und zugleich die emotionale Betroffenheit des Autors. Die Tochter hat er sich nicht „ausgedacht“, die Konstellation hat er am eigenen Leib erfahren. Vielleicht hat er auch schon erste Überlegungen in seinem Elternhaus angestellt, in dem er mit seinen Geschwistern, den drei älteren und drei jüngeren Schwestern unter einem Dach lebte und für die er von seinem Vater im Falle seines Ablebens in die Verantwortung gerufen worden war. Dabei sind die Überlegungen des Essays alles andere als eine spontane Eingebung. Vielmehr beschreibt „Die Tochter“ trotz aller Aktualität eine historische Dimension, die mit Christi Geburt anhebt und nach der jeweiligen Vorherrschaft von Kirche und Staat mit der Französischen Revolution eine Brisanz erfährt, die im 20. Jahrhundert mit dem technischen Durchbruch zur Weltgesellschaft die Tochter auf die Bühne der Weltpolitik führt:

Kirche und Staat haben die Menschen vergessen gemacht, daß Gott sich offenbart; denn sie halten Kirche und Staat für ihr unentreißbares, unentziehbares Privateigentum. Darin sind sich Kirchen- und Staatsmänner gleich, daß sie beide auf ihr Eigentum pochen, als seien die Häuser, in denen sie wohnen ewig. Sie haben sich dadurch Gottes bemächtigt und ihn unter sich gebeugt. Denn erst bei dem Unmöglichen fängt Gottes Allmacht an. Bei Gott ist kein Ding unmöglich.14

Lange waren die Menschen der Natur feindlich gesinnt und der „verzauberten“ Natur unterlegen. Bis weit in die Neuzeit hatten Christen die Natur und als „Gefahrenquell“ auch die Frauen insgeheim gefürchtet. Und so war es in der Neuzeit auch nur konsequent im Rahmen der Beherrschung und Zurechtstutzung der Natur, Frauen und Mädchen zuhause einzuschließen, jedenfalls nicht als ebenbürtig anzuerkennen. Und anstatt die Ehe als „Urbild aller leiblichen Gemeinschaften“ anzuerkennen, habe man gerade in der Gegenwart die Ehe als bloße Arbeitsgemeinschaft verhöhnt und damit zerstört. Diese vollkommen verdrehte Sicht auf die Wirklichkeit ließe sich fortan nicht mehr halten.

Die Heilung hat schon in dem Augenblick sich vorbereitet, wo das Verderben hereinbrach. Als Prometheus die große Revolution vollführte, da ließ der Dichter ahnungsvoll die natürliche Tochter aufbewahren in der Stille und Verborgenheit zur Rettung des Volkes, da prägte er den überheidnischen, aber auch überchristlichen Satz: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. Die irdische Liebe soll entsühnt werden.

Die große Revolution ist hier diejenige von 1789 und in der Tat erhob Olympe de Gouges 1791 erstmals ihre Stimme zur Erklärung „Der Rechte der Frau“ gegen die Tyrannei des Mannes. Letztlich büßte sie mit ihrem Kopf für ihre Kühnheit. Aber sie blieb nicht die einzige Märtyrerin der Frauenfrage.

Wir sollen heut nicht durch die Zerteilung unserer Seele in Leib und Geist geheilt werden. Denn die Mittel haben die Kirchenchristen verbraucht. Die Aufopferung des Leibes für den Geist wirkt nicht mehr, da der das Opfer empfangende Geist trotzdem leerer, wirkungsloser Geist bleibt. So findet umgekehrt nur die Einheit von Leib und Seele Gnade vor Gottes Augen. Und er beruft zur Erneuerung seiner Offenbarung die Tochter des Menschen, die natürliche Tochter und Schwester, wie der Dichter sie in seiner „Eugenie“, prophetisch sich selber übertreffend, geahnt hat; die Tochter des Menschen empfängt in ihr Herz die Berufung, zu heilen die zerstoßenen Herzen.

Nun wird heut die Kreatur, die noch übrig ist im Bereich des Menschen, die geschaffene Natur, die noch nicht eingegangen ist in die gestanzten Formen männlicher Kirchen- und männlicher Staatenbauten, sie wird berufen, damit von ihr aus die alte zerfallende, verwesende Geisteswelt neuen Anreiz und neues Leben empfange.

Die Tochter symbolisiert also das Seufzen der Kreatur und bringt jene Aspekte lebendigen Zusammenlebens zur Sprache, die bisher Anathema waren. Und es ist sicher kein Zufall, daß gerade im dritten Jahrtausend Frauen im Feuer politischer Konflikte stehen. Und in diesen Kontext gehört Eugen Rosenstock-Huessys Fassung der „Säkularisierungsthese“:

*Da ist heut keiner mehr, der nicht christliche Gedanken in sich trüge, auch wenn er auf eine heidnische „Weltanschauung“ selbstbewußt schwört. Und da ist kein selbstbewußter Orthodoxer, der nicht unchristliches Geistesleben neben oder hinter seiner Orthodoxie birgt. Bisher schien im Bekenntnisschriften das Bewußtsein einwandfrei christlich. Aber gerade sein Bewußtsein wird heut leblos und unchristlich; es verleugnet das Eintreffen des Antichrists, der doch ein Teil der Offenbarung ist. Im Ungläubigen schien das Bewußtsein bisher unzweideutig unchristlich. Aber gerade er schöpft sein gesamtes geistiges Rüstzeug aus den christlichen Denk- und Lebensformen, so wie sie das 19. Jahrhundert, allen voran Goethe, feuereifrig ins „Natürliche“ umgeschrieben hat. Heute gibt es keine außerchristlichen Unterschlupfe mehr.*[^29]

Auf welchem Kontinent auch immer, sind es vordringlich Frauen, die ihre Finger in die Wunden überheblicher Anmaßung und von der Zeit überholtem Gehabe legen. Man schaue sich nur die Listen der alternativen oder originären Nobelpreise an, der Friedenspreise und der Menschenrechtspreise. Greta Thunberg, Irina Scherbakowa, Mutter Theresa, Maria Machado, Narges Muhammdi, Eren Keskin oder Gisèle Pelikot repräsentieren nur die Spitze eines Eisbergs. „Unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ solidarisierten sich Exil-Iranerinnen und -Iraner, aber auch hiesige gesellschaftliche Gruppen mit der Protestbewegung.“15 Eugen Rosenstock kann nicht ganz falsch gelegen haben, als er diese Bewegungen in Aussicht stellte.16

Über all diese Überlegungen hinaus enthält „Die Tochter“, wie die beiden anderen Essays, einen kaum versteckten biographischen Subtext, der auf die Dreiecksbeziehung zwischen Eugen und Margrit Rosenstock sowie Franz Rosenzweig anspielt und die ganze Dramatik dieser Beziehung in Worte zu fassen versucht:

Die schöne Jüdin war es, die Judas vorbehaltenes Volk hineinzog in die Gemeinschaft der Völker, in die christliche Gesellschaft. Eine bis dahin selbstverständliche Schranke – der Christenheit – zerbrach. Das Judentum, das Volk Gottes, der Hüter des Gesetzes, sah die Riegel zerbrechen, die Abrahams Samen verwahrt hatten bis dahin. Und es zerbrachen nicht nur die Schranken des Bluts und des Volkstums. Es zerbrach auch die Form des ehelichen Bandes. Denn damals wird der heidnische Ehrenpunkt zerbrochen, der Todfeindschaft setzt zwischen zwei, die das selbe Weib lieben. Ein Stück Welt wird hier überwunden, das unausrottbar schien wie die Natur. Die Enge aller irdischen Formen wird offenbar vor der Allmacht der göttlichen Kraft. Die Liebe wird die Kraft, die den Mann über die Schranken seines Bekenntnisses, seines Glaubens, über die Ehre seines Volkes und seiner Ehe hinauszwingt, die ihn sogar im Nebenbuhler den Bruder finden lehrt. Sie ist stärker als Blut und Sakrament. Denn sie „passiert“. Sie ist die Überraschung, die das scheinbar schon geregelte Leben umstürzt und auf neue Grundlagen stellt.17

Darüber hinaus verweist der Autor im dritten Abschnitt „Menschheit und Menschengeschlecht“ auf die alte versinkende Welt des Duellstandpunkts:

Heut hat Christus auch dies wie alle Tiermoral besiegt. Heut besitzt niemand sein Weib. Gott gäbe es ihm denn und erhielte es ihm tagtäglich. Er hat keine „gesetzlichen“ Rechte auf Liebe. Die staatlich-diesseitige Legitimität zerfällt wie alle Legitimität. Das Leben des Herzens ist nicht befohlen oder von staatswegen geordnet, sondern es geschieht, es ereignet sich, oder es ereignet sich nicht. Das Weib, als Frau und Mutter ruhiger Besitz, wird zur Braut, der ewig neu geliebten, neu sich verschenkenden. Daß der gehaßte Feind zum Bruder wird, das kann ein männliches Herz nur ertragen, wenn die geliebte Frau zur Braut wird.18

In der Folge wird Eugen Rosenstock auch den Mädchennamen seiner Frau, Huessy, annehmen.

Goethes Revolutionsdrama

Eugen Rosenstock thematisierte 1920 seine Erschütterung durch Krieg und Revolution. Es liegt daher nahe, daß er sich den Urteilen klassischer Denker über die vorausgegangene Französische Revolution zuwandte. Und mußte da nicht neben Hegel, mit dem sich sein engster Freund Franz Rosenzweig abmühte, Goethe ins Spiel kommen, der damals ein neues Zeitalter angesagt hatte und 1808 gar mit Kaiser Napoleon zusammengetroffen war? Der Ausbildung nach Jurist wie Eugen Rosenstock hat Goethe sehr um sein Verhältnis zur Revolution gerungen. Letztlich stand die Revolution fundamental gegen die ständische Ordnung, der er seine dichterische Freiheit ohne Marktzwang verdankte. Nachdem ihm Schiller die Memoiren der Stéphanie-Louise de Bourbon-Conti geborgt hatte, fing Goethe Feuer und am 2. April 1803 erlebte das Drama unter dem Titel „Eugenia oder Die natürliche Tochter“ die Uraufführung. Kein anderer Stoff hat ihn in seiner zweiten Lebenshälfte derart beschäftigt und das eigentlich auf fünf Teile projektierte Drama blieb ein Torso. Dabei boten sich die Memoiren umso mehr an, als Jean Jacques Rousseau persönlich der Erzieher der Gräfin de Bourbon-Conti war: „Rousseau, ihrem wichtigsten Mentor, dem Schützling ihres Vaters, verdankt Stéphanie nach ihren Worten ihre Fähigkeit zur Ausdauer, die stoische Kraft ihrer später leidgeprüften Seele, die sich über alle Schicksalsschläge erheben wird.“19 Goethes eigentliches Revolutionsdrama schildert die Spannung zwischen adeliger und bürgerlicher Welt, und den Riß, der mitten durch die „natürliche“ also uneheliche Tochter Eugenie geht.20 Vom Olymp der stabilen alten Ordnung gerät sie in eine reißende Revolution, in den Konflikt zwischen ihrem Vater und ihrem Stiefbruder im Streit zwischen königlicher Prärogative und den Reformforderungen der Gerichte (Parlamente), bis es für sie kein Halten mehr gibt und sie ins Nichts verschifft werden soll. Eine Konstellation die sie kaum durchschaut und auf die sie nicht vorbereitet war: „Kind zuerst, Scheintote in der Mitte, verbannte unsichtbare Göttin am Schluß“, in dieser Katharsis spielt sich das persönliche Drama Eugenies ab.21 „Diese Undurchschaubarkeit nun aber von der persönlichen Sphäre Stéphanies in jene allgemeine der Politik als solcher gehoben zu haben, folgt aus Goethes zugleich zeitkritischer und symbolisierender Tendenz, die dem Bereich der Politik eine negative Naturgesetzlichkeit zuordnet“ genau mit Verweis auf die von Eugen Rosenstock-Huessy zitierte Erwiderung des Gerichtsrates auf die Frage Eugenies nach „Recht und Ordnung“:

In abgeschlossnen Kreisen lenken wir,
gesetzlich streng, das in der Mittelhöhe
des Lebens wiederkehrend Schwebende.
Was droben sich in ungemeßnen Räumen
gewaltig seltsam hin und her bewegt,
belebt und tötet, ohne Rat und Urteil,
das wird nach anderm Maß, nach anderer Zahl
vielleicht berechnet, bleibt uns rätselhaft.
(Vierter Aufzug, zweiter Aufritt22)

„Das Thema der glanzvollen Erscheinung eines höheren Wesens, dem kein rechtmäßiger Aufenthalt in der geschichtlichen Gegenwart mehr zukommt und das als „unsichtbare Gottheit“ diejenigen bestimmt, die ihr inneres Bild in ihrer Erinnerung festhalten, um so die Auflösung alles Geeinten zu bestehen, ist in den Kontext der die Natürliche Tochter umgebenden Werke zu stellen, um differenzierter und konkreter begriffen zu werden.“23

Für den Studenten Eugen Rosenstock dürfte der breit rezipierte Goethe Friedrich Gundolfs, der ab 1910 in Heidelberg lehrte, nicht ohne Wirkung geblieben sein. Dessen Anmerkungen zur „Natürlichen Tochter“ sind eingefügt in das Kapitel „Die Revolution“.24 Dabei sah Gundolf in diesem Beitrag das dritte Stadium von Goethes Verarbeitung der Französischen Revolution.25 Außerdem liegt eine Anregung durch Gustav Radbruch, dem späteren Reichjustizminister nahe, mit dem Rosenstock seit 1908 befreundet war. Dieser hatte in der Kulturzeitschrift „Logos“ einen Beitrag über Goethes Wilhelm Meister verfaßt und sich dabei insbesondere mit dessen Revolutionsbegriff beschäftigt:

Denn Goethe ist Revolutionen im Leben der Staaten ebenso feind wie der vulkanistischen Geologie der Erdrevolutionen. Ordnung ist ihm als ein Natur und Menschheit zugleich umspannender kosmischer Wert heilig und als die unerläßliche Vorbedingung des einzigen, das not tut: des Leistens und Schaffens, selbst mit dem Preise des Despotismus, ja der Fremdherrschaft nicht zu teuer erkauft. Deshalb müssen wir auch das letzte Wort Goethescher Gesellschaftsphilosophie dort suchen, wo er sein Gemeinschaftsideal ohne Rücksicht auf überlieferte Ordnungen im geschichtsleeren Raum zu konstruieren in der Lage ist: bei den Amerika-Wanderern.26

Schon Radbruch deutete als drittes Ideal neben der „individualistischen – liberalen oder demokratischen – Lehre, welche die Gemeinschaft in den Dienst des einzelnen stellt“ und der überindividualistisch-konservativen Staatsphilosophie die Arbeitsgemeinschaft als Zukunftsperspektive an, deren letztes Ziel die Kultur bilde:

Neben den Freiheits- und den Machtstaat tritt der Kulturstaat. Hat Goethe die Idee des Freiheitsstaates in ihrer ausgeprägtesten Form: des Rechts- und Justizstaates in jenen Ausführungen, welche Polizei, nicht Justiz in den Mittelpunkt der Staatsaufgaben stellen, ausdrücklich zurückgewiesen, so übergeht er den Gedanken des Macht-, des Nationalstaates mit geflissentlich kaltem Schweigen: des ganzen Begriffszusammenhanges Nation und Macht, Krieg und Heer wird mit keinem Worte gedacht, man müßte denn die flüchtige Bemerkung über Lotharios Feldjägercorps hierher rechnen. Kein Zweifel, daß die Gesellschaftslehre des Wandererbundes mit ihrem Grundgedanken des Leistens und Schaffens in spezialisierter Berufsarbeit sich dem dritten Ideal einer Arbeitsgemeinschaft einfüge.27

Und genau dieses dritte Ideal der Arbeitsgemeinschaft bildete 1920 einen der zentralen Begriffe, auf denen Eugen Rosenstock-Huessy sein Gesellschaftsverständnis im Dritten Jahrtausend aufbaute.28

Eugen Rosenstock war ein zutiefst existentieller Denker, der sein Herz auf der Zunge trug und selbst intimste Details menschlicher Beziehungen subtil in seine Schriften eingeflochten hat. 1988, zum 100. Geburtstag erfüllte Bas Leenman dem Autor den Wunsch, das Kapitel die Tochter nach seinem Tode „in einem schönen, weißen Bändchen“ herauszugeben.29

So findet umgekehrt nur die Einheit von Leib und Seele Gnade vor Gottes Augen. Und er beruft zur Erneuerung seiner Offenbarung die Tochter des Menschen, die natürliche Tochter und Schwester, wie der Dichter sie in seiner „Eugenie“, prophetisch sich selbst übertreffend, geahnt hat; die Tochter des Menschen empfängt in ihr Herz die Berufung, zu heilen die zerstoßenen Herzen.30

Historischer Kontext

Wie schon angemerkt, hatte die Frauenfrage mit der Französischen Revolution eine entscheidende Wendung genommen, die bis in die Gegenwart anhält. Dabei wird oft übersehen, daß entscheidende Emanzipationsschritte von der Kirche ausgegangen waren:

Erst die Kirche hat – wie Sie wissen, Sie brauchen nur die Promessi Sposi von Manzoni zu lesen – den einzelnen Menschen das Recht zur Eheschließung gegeben, das Recht, ja oder nein zu sagen. Das ist wohl die größte Tat des Investiturstreites geworden, daß die Kirche die Ehegatten, auch die Frau, von der Bevormundung ihrer Eltern emanzipiert hat. Es ist also ein neues Recht in die Menschen in Europa hineingefahren. Sie wissen, die letzte solche Ehe, an der dann das Mittelalter zerbrochen ist, die Ehescheidung Heinrichs VIII. hat Epoche gemacht. Aber die Kirche hat die ganzen Jahrhunderte vorher um dasselbe Problem gerungen: Wie verleihe ich dem Mädchen, der Tochter, eine Stimme im Ehesakrament? Merkwürdigerweise wird heute von den römischen Katholiken gar nicht genügend hervorgehoben, daß in der Gesetzgebungsarbeit aller Gebiete Europas die Kirche eine entscheidende Stimme zur Emanzipation der Frau erhoben hat, und daß dies heute noch gilt. Sie haben jetzt in den letzten Tagen in Deutschland ein Gesetz verabschiedet, wo das ein bißchen übertrieben wurde.31

Gerade am 1. Juli 1958 war das „Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ in Kraft getreten. Der Mann verlor sein Letztentscheidungsrecht, solange die Frau durch eine Berufstätigkeit ihre Familienpflichten nicht vernachlässigte.

Im wilhelminischen Kaiserreich spiegelten sich in der Frauenfrage sämtliche gesellschaftlichen Konfliktlagen: soziale Frage, Religion, Sexualität, Industrialisierung, der Gegensatz von Stadt / Land, Bildung und Besitz, Militär, Recht und Politik.32 Vorreiter der bürgerlichen Frauenbewegung war das Land Baden, mit den beiden Universitäten Heidelberg und Freiburg. Der Student Eugen Rosenstock zählte zu einer der ersten Generationen für die Kommilitoninnen kaum noch Exotik versprühten. In den 20er Jahren stürmten die Töchter rauchend, mit Bubikopf in langen Hosen an die Öffentlichkeit. Damit trat die Frauenemanzipation in eine neue Phase ein. Zunächst war es den organisierten Frauen um Gleichberechtigung, um gleichen Zugang zu bisher verschlossenen Berufen, um Schule, Bildung und Studium gegangen. Themen waren Mutterschutz, Gesundheitsversorgung, Abtreibung, Prostitution, Kinderschutz, Vereinsrecht und schließlich das Frauenwahlrecht. Eine offensive Interessenvertretung war schlicht verboten, bis 1908 ein neues Vereinsrecht in Kraft trat. Nachdem diese Hürde genommen war und die ersten Frauen in Positionen an den Universitäten und in der Wirtschaft einrückten, erkannten sie, daß es eine Illusion ist, bloß die männliche Rolle zu kopieren. Dabei war das Engagement der Frauen schon im 19. Jahrhundert sehr beachtlich. Nach Gründung des Allgemeinen deutschen Frauenvereins 1865 zählte der Bund deutscher Frauenvereine 1894 rund 500.000 Mitglieder in 2500 Lokalgruppen. Die ersten Immatrikulationen von Studentinnen lassen sich erst nach der Jahrhundertwende feststellen. Hier spielte der Widerstand oder die Aufgeschlossenheit einzelner Professoren eine wesentliche Rolle. Eine Vorreiterin war Else Jaffe von Richthofen, die bei Max Weber in Heidelberg promovierte und später als Fabrikinspektorin in die Wirtschaft wechselte. Allein ihre Erscheinung sorgte für einiges Aufsehen; ihre zahlreichen Affären waren im Universitätsmilieu durchaus nicht ungewöhnlich. Während die Erzieherin Helene Lange stellvertretend für die frühe Phase der Bewegung steht, repräsentiert Alice Salomon33 die neue Frauenbewegung nach der Jahrhundertwende:

Die wirtschaftlichen Forderungen der Frauenbewegung waren ursprünglich nur auf die Unverheirateten zugeschnitten. Man verlangte die Eröffnung aller Berufe, man forderte gleiche Ausbildungsmöglichkeiten für Mann und Frau, damit die Frau im Erwerbsleben, in ihren Leistungen es dem Manne gleich tun könne. Man ging dabei wohl von der Voraussetzung aus, dass die natürlichen Anlagen von Mann und Frau gleiche seien, dass die ungleichen Leistungen der Geschlechter nur zurückzuführen seien auf die verschiedenartige Erziehung; dass selbst die geringere Körperkraft der Frau ein Ergebnis falscher Erziehung, der Entartung sei. Die Stellung des Mannes war der Massstab, an dem alle Lebensverhältnisse der Frauen gemessen, nach dem auch alle wirtschaftlichen Forderungen aufgestellt wurden.34

Weitere Protagonistinnen in Deutschland waren die in Bethel begrabene Vertraute Friedrich Naumanns, Gertrud Bäumer, Gertrud Simmel alias Marie Louise Enckendorff, die Gräfin von Reventlow oder Jeannette Schwerin. 1904 traten auf dem Internationalen Frauenkongress in Berlin mit Susan B. Anthony, May Wright Sewall, Lady Isabel M. Aberdeen und der ersten Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner führende Vertreterinnen der Bewegung auf. Melli Beese erwarb 1911 als erste deutsche Frau einen Pilotenschein und in den 20er Jahren setzte Clärenore Stinnes zur ersten Weltumrundung im Automobil an. Außerdem gab es eine weitere Märtyrerin: Miss Emily Wilding Davison starb am 8. Juni 1913 an ihren Verletzungen, die sie sich Tage vorher zugezogen hatte, als sie sich beim Derby in Ascot vor die Pferde geworfen hatte. Für Eugen Rosenstock-Huessy ein Kriterium für die Ernsthaftigkeit jeder sozialen Bewegung. Wichtige Schriften zur Frauenfrage erlebten in dieser Zeit hohe Auflagen und mußten schon nach kurzer Zeit neu aufgelegt werden.35

So wie Eugen Rosenstock die Arbeitsgemeinschaft als vorbildlich für die Befriedung gesellschaftlicher Konflikte angeführt hat, hatte Marianne Weber in ihrem kulturgeschichtlichen Abriss „Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung“ bereits 1907 die Ehe als vorbildliche Institution vorgestellt und dabei zeitgenössische Mythen entzaubert, so die Idee eines ursprünglich gewaltfreien Matriarchats.36 Den Vorstellungen vom edlen Wilden, der freien Liebe und Sexualität, denen oft wirtschaftliche Ausbeutung zugrunde lag, stellte sie profane Abhängigkeitsverhältnisse entgegen. Und gerade Ehe und Eigentumsbesitz hätten die Unabhängigkeit der Frau gegenüber physisch überlegenen Männern gestärkt. Dabei darf man sich die frühen Formen der Ehe nicht allzu idyllisch vorstellen. Bei Nomaden mit Viehbesitz bestand die Eheschließung in einem geschäftlichen Austausch der Tochter mit einer bestimmten Anzahl von Tieren. Die Frau rangierte als Besitz- und Beuteobjekt, wie Ehemann Max Weber in seiner „Soziologie“ ausführte:

Die Töchter gelten, wie alle Kinder, als nutzbarer Besitz der Hausgemeinschaft, in der sie geboren sind. Diese verfügt über ihre Hand. Der Leiter kann sie, ebenso wie seine Frau, seinen Gästen sexuell zur Verfügung stellen, sie zeitweilig oder dauernd gegen Abgaben oder Dienste sexuell nutzen lassen. Diese prostitutionsartige Verwertung der Haustöchter bildet einen beträchtlichen Teil der unter dem unklaren Sammelnamen des »Mutterrechts« verstandenen Fälle: Mann und Frau bleiben in diesem Fall jeder in seiner Hausgemeinschaft, die Kinder in der der Mutter, der Mann bleibt ihnen ganz fremd und leistet nur, in der heutigen Sprache ausgedrückt: »Alimente« an ihren Hausherrn. Es besteht also keine Gemeinschaft des Hauses von Mann, Frau und Kindern. Diese kann auf der Basis von Vater- oder Mutterfolge entstehen. Der Mann, welcher die Mittel besitzt, eine Frau bar zu bezahlen, nimmt sie aus ihrem Haus und ihrer Sippe in das seinige. Seine Hausgemeinschaft wird ihr voller Eigentümer und damit Besitzer ihrer Kinder. Der Zahlungsunfähige muß dagegen, wenn ihm die häusliche Vereinigung mit dem begehrten Mädchen von dessen Hausherrn gestattet wird, in dessen Hausgemeinschaft eintreten, entweder zeitweise, um sie abzuverdienen (»Dienstehe«) oder dauernd, und der Hausgemeinschaft der Frau verbleibt dann die Gewalt über sie und die Kinder. Das Haupt einer vermögenden Hausgemeinschaft also kauft einerseits von minder vermögenden anderen Hausgemeinschaften Frauen für sich und seine Söhne (sog. »Digaehe«) und zwingt andererseits unvermögende Freier seiner Töchter zum Eintritt in den eigenen Hausverband (»Binaehe«). Vaterfolge, d.h. Zurechnung zum Hause und zur Sippe des Vaters, und Mutterfolge, d.h. Zurechnung zum Hause und zur Sippe der Mutter, Vaterhausgewalt, d.h. Gewalt des Manneshauses, und Mutterhausgewalt, d.h. Gewalt der Hausgemeinschaft der Frau, bestehen dann nebeneinander für verschiedene Personen innerhalb einer und derselben Hausgemeinschaft.37

Man müßte Eugen Rosenstock schon sehr dichte Scheuklappen andichten, die Universalgeschichte Marianne Webers nicht zur Kenntnis genommen zu haben.

Antiope oder die Binität

So zeitgebunden sich der erste Entwurf der Tochter präsentierte, so abgewogen kommt das letzte Kapitel der dreibändigen Soziologie „Antiope oder die Binität“ über den Leser. Und es kann gar nicht anders sein als Abschluß eines mehr als tausendseitigen Werkes, das Stämme, Reiche, Religionen und heilige Schriften, Ägypten, Jerusalem, Rom und Athen, Tempel und Märkte an sich vorüberziehen läßt. Dennoch ist der Text auch ohne dieses Vorwissen verständlich. Daß es sich um einen Abschluß handelt, signalisieren schon die beiden letzten Sätze der Antiope. Eugen Rosenstock-Huessy beschwört nichts weniger als die „Endzeit unseres Geschlechts“ und die Erfüllung von Kirche, Staat und Gesellschaft.38 Und er kehrt zurück zu Selma Lagerlöf und ihrem Roman „Die Wunder des Antichrist“. Niemand könne die Menschheit von ihrem Leiden erlösen, lautete das Fazit, das Franz Rosenzweig, Richard Ehrenberg und Eugen Rosenstock in ihrem Leipziger Nachtgespräch am 7.7.1913 engagiert diskutierten, im Nachgang seines 25. Geburtstages.39 Für die Heilserwartungen des Sozialismus steht an mehreren Stellen des Romans die Formulierung: „Mein Reich ist nur von dieser Welt“.

Zur Antiope führt Benjamin Hederichs „Gründliches mythologisches Lexikon“, das Goethe bei seinen Studien konsultierte, aus:

Antiope wurde von Jupiter oder doch sonst von einem ihr anständigen Menschen zu Fall gebracht. Als ihr nun deshalb ihr Vater mit Drohungen hart zusetzte, so flüchtete sie sich zu dem Epopeus nach Sicyon, den sie auch heurathete. Indessen grämete sich ihr Vater über solchem Unwesen zu Tode, befahl aber noch vor seinem Ableben seinem Bruder, dem Lykus, an dem Epopeus Rache zu nehmen. Dies geschah auch und Antiope kam zurück nach Theben, nachdem sie auf dem Rückweg zwei Söhne, den Amphion und Zethus geboren hatte. Die eifersüchtige Gattin des Lykus Dirce beschuldigte Antiope des Ehebruchs und wollte sie einem Ochsen an den Hals binden lassen und brennende Fackeln an die Hörner, um sie also elendiglicher Weise hinzurichten. Nachdem die Söhne ihre Mutter erkannten, so hätten sie die Dirce ergriffen und nun selbst an den Ochsen gebunden, und also zu Tode schleifen lassen.40

In seinem Text geht Eugen Rosenstock-Huessy von der Gegenwart des dritten Jahrtausend aus, einer Zeit in der die Revolution durch die technischen Neuerungen zum Tagesgeschäft geworden ist, und die Menschen täglich „aus der Bahn geworfen“ werden. Dafür sind Männer und Frauen gegensätzlich ausgerichtet, während Männer „labil“ im Raum wanken, ruhen Frauen in der Zeit:

Der lebendige Zeitsinn aber, der den Männern beim Anlegen von Fahrplänen abhanden kommt, wird unmittelbar vom weiblichen Geschlecht wahrgenommen. Zweideutiger verbindet sich jeder Augenblick für ein wirklich weibliches Wesen sowohl mit ihrer Tradition wie mit ihrer Zukunft.

Männer-Verstand blickt in eine Richtung. Aber die Zeit existiert nur, wenn wir plötzlich uns sowohl als Ende wie als Anfang empfinden. „Zeit“ ist unser Zerfall in die Letzten und die Ersten, kraft unserer Freiheit, beiden Richtungen uns zuzuwenden. Wenn also der Zeitsinn im Zeitalter der Technik abhanden kommt und der kommende Äon um die Wurzeln der rechten Zeit ringen muß, dann ist die erste politische Stunde der Frau gekommen.41

Die Frau ist dem Mann mit ihrem „direkten Zeitsinn“ voraus. Am Beispiel einer Schulstunden erläutert der Autor, wie sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschlingen. Durch die Festlegung der Stunde schaut man aus der Zukunft zurück und erwirbt so seine Gegenwart, die solange verschiebbar bleibt, bis die vorher angesagte Stunde endet. Und genau diesen Zusammenhang der Zeiten spürt jede Mutter intuitiv, nur in noch gewaltigeren Zeitspannen und die Braut „ahnt im Augenblick die entscheidende Begegnung ihrer ganzen Zukunft“.42

Das Kreuz des Menschen von Fleisch und Blut, Geschlecht und Zeit stattet die Männer und Söhne mit dem Sinn für Raumaneignung aus, die Töchter und Mütter mit der Pflege der zuchtvollen langen Tage über Jahrzehnte und Generationen. Daß die Eigentümer der Erde und die Eroberer der inneren Gedankenwelt Männer sind, ist uns ebenso natürlich, wie daß Sitte und Kunst, Zucht und Mode in der Hut der Frauen ruhen.43

Dabei sind beide Pole dazu verdammt, ihr einseitiges „Geschlecht oder Alter“ zu überkreuzen. Papst und Christus sind bei diesem notwendigen Zusammenspiel „Übertreibungen“, auch wenn sich auf ihnen weiter „reziprok“ aufbauen läßt.

Wenn es darauf ankäme, die Frauen zu vermännern, dann genügte für sie das Gymnasialstudium und die technische Ausbildung, das Stimmrecht und die Uniform der Männer. Die Nihilisten sind auf diesen Kurzschluß verfallen, weil sie von der notwendigen Verwandlung nicht gewußt haben. Wenn eine Frau das Geheimnis der Männer erwerben will, so ist sie hoch willkommen. Wenn sie es aber erwirbt, indem sie den Mann nachahmt, dann vergißt sie, daß der Mann zweiphasig lebt und daß dem Freier und dem Mann Polarität geboten ist. Die Frauen werden zunichte, wenn sie auf den Freier oder den Mann direkt abzielen. Wie wird aus dem Freier der Mann? Indem ihn ein Weib erhört. Da gehören also zwei dazu, bevor der Don Juan dem König Philipp weicht.44

Auch die Frauen haben auszugehen von den Tatsachen der gesellschaftlichen, technisch geprägten Gegenwart, ja sie ermöglichen erst ihre Überwindung reiner Zeitlichkeit, auch wenn die aus ihren Haushalten herausgerissen Frauen in der „zählbaren Welt“ zunächst frieren:

Die Industrie ist ein Riesenarbeitshaus, eine Ökonomie, die alle einzelnen Haushalte verschlingt. Die Frau muß Mensch werden, weil sie in die Welt hinausgefallen ist und dort nun wie ein Mann arbeiten soll. Das kann sie nicht. Sie muß also zum Menschen in demselben vollen Umfang werden, wie das der Missionar und Dichter schon haben werden müssen und wie es natürlich jede rechte Frau auch immer schon geworden ist.45

Barsch weist der Autor alle Versuche einer bloßen „auswendigen“ Nachahmung männlicher Gedankensysteme in Philosophie oder Musik zurück, um genau an dieser Stelle die Vorbildlichkeit der Antiope einzuführen, ihre Doppelpoligkeit, „die den Mann in zweierlei Gestalt schauen muß“. Noch fehle den Frauen die Begeisterung, wie Antiope auf den Mann zugleich als Gott und als Tier in den Blick zu nehmen:

Die geistige Eifersucht ist also an die Stelle der leiblichen getreten. Statt antiopisch ist diese Frauenberechtigte nur antithetisch. Die Dialektik der Gesellschaftsunordnung ist eben das Gegenteil des Dialogs in einer Gesellschaftsordnung.46

Aber ohne die Binität als Mutter und als Geliebte und als Tochter fehle die Überzeugungskraft mit der Sprache in jeder Generation neu geboren werden müsse. Zwar nicht für die Ewigkeit, wie scheinbar in Kirche und Staat, aber doch vorübergehend, denn in der Gesellschaft ist nur der Wandel ewig.

Die idealistische Spaltung der Liebesgöttin Venus in die Uranierin und die gemeine Liebe bedeutet den Untergang einer Rasse. Aber der Januscharakter der Diana und Antiope, die Binität einer ins Innerste der Begeisterung, ins Äußerste der Wildheit dringenden Seele, ist Gegenteil solcher Zerspaltung; während die Atome sich nur spalten, spannt sich das Lebendige zu seiner doppelten Zeit, die vorwärts und rückwärts blickt, die das Innerste noch mehr verinnert, Antiope, die das Äußerste noch mehr veräußert, Diana als Herrin der Wildnis.[62]

Dabei bleibe die Liebe einzigartig und eifersüchtig und eine bedingungslose Auswahl sei nötig, die fast unmöglich erscheine. Und doch müsse sie gewagt werden, umso mehr als mit der globalen Ökonomie alle Töchter Töchter eines großen Vaterhauses geworden seien.

Am Ende der Antiope wartet die Antwort, die schon im Leipziger Nachtgespräch von 1913 den Ton angab: „Niemand kann die Menschen von ihren Leiden befreien; aber dem wird viel vergeben werden, der ihnen wieder neuen Mut macht, ihre Leiden zu tragen.“47

Sven Bergmann

aus dem Mitteilungen 2025-12

  1. Herfried Münkler, Kriegssplitter. Die Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert, Berlin: Rowohlt Berlin Verlag 2015, S.187. 

  2. Peter Sloterdijk, Der Kontinent ohne Eigenschaften. Lesezeichen im Buch Europa, Berlin: Suhrkamp 2024. Vgl.: Reinhard Mehring, Jenseits von Freund und Feind. Carl Schmitt im Kontext von Antipoden, Würzburg: Königshausen & Neumann 2025, S.110ff. „Schmitt zählte Rosenstock vermutlich zur ‚neuen Elite‘ von 1929, wenn Sloterdijks Charakterisierung zutrifft“.

  3. Nach der neuen amerikanischen Sicherheitsstrategie von November 2025 gehen Europa und die „Western Hemisphere“ überhaupt neue alte Wege. Welcome back, Mr. Monroe! What’s Up, Mr. Habermas? 

  4. Eugen Rosenstock-Huessy, Künftige Widersacher der Kirche oder Europa ist nicht mehr die nette Mitte der Welt (1957), In Verteidigung der grammatischen Methode, in: ders., Friedensbedingungen der planetarischen Gesellschaft. Zur Ökonomie der Zeit, hrsg. von Rudolf Hermeier, Münster: Agenda-Verlag 2001, S.168ff.

  5. Eugen Rosenstock, Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), Würzburg: Patmos-Verlag 1920 S.266.

  6. Sein Entwurf steht quer zu den Alternativen Großraum oder Weltgesellschaft wie sie Reinhard Mehring jüngst prägnant beschrieben hat: ders., Zur Konstitutionalisierung Europas: Jürgen Habermas vs. Carl Schmitt, in: ders., Jenseits von Freund und Feind. Carl Schmitt im Kontext von Antipoden, Würzburg: Königshausen & Neumann 2025, S.135-149. 

  7. Eugen Rosenstock, Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), Würzburg: Patmos-Verlag 1920 S.270-274.

  8. Eugen Rosenstock-Huessy, Der unbezahlbare Mensch, neu gegliedert von Eckart Wilkens, Münster: agenda Verlag 2022, S.131ff.

  9. Eugen Rosenstock-Huessy, Im Kreuz der Wirklichkeit. Eine nach-goethische Soziologie, Bd.3: Die Vollzahl der Zeiten 2, hrsg. von Michael Gormann-Thelen, Ruth Mautner, Lise van der Molen, mit einem Vorwort von Irene Scherer, verb., vollst. und korrigierte Neuausgabe (= Talheimer Reihe Texte aus der Geschichte; Bd.6), Mössingen-Talheim: Talheimer Verlag 2009, S.496-511. 

  10. Ebda., S.505.

  11. Johann Wolfgang Goethe, Die natürliche Tochter, in: ders., Dramen 1791 – 1832, hrsg.v. Dieter Borchmeyer, Peter Huber (= Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche; I. Abt., Bd.6), Frankfurt a. M.: Deutscher Klassiker Verlag 1993, S.1146. 

  12. Franz Rosenzweig, Briefe, hrsg.v. Edith Rosenzweig unter Mitwirkung v. Ernst Simon, Berlin: Schocken Verlag 1935. Darin: Franz Rosenzweig und Eugen Rosenstock: Judentum und Christentum, S.637-720. 

  13. Hier sei nur allgemein auf sein opus magnum „Pocohontas“ verwiesen. Für die Tochter ist insbesondere der zweite Band einschlägig: Klaus Theweleit, Buch der Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen. Mythenbildung, vorhomerisch, amerikanisch (= Pocahontas II), 2. Aufl., Berlin: Matthes & Seitz 2020. 

  14. Eugen Rosenstock, Die Tochter, in: ders. Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), Würzburg: Patmos-Verlag 1920, S.276. Das Unmögliche anzustreben, um das Mögliche zu erreichen ist ein klassischer Topos deutscher Real-Politik, von Luther über Bismarck zu Weber.

  15. Michael Lüders, Drecksarbeit? Israel, Amerika und der imperiale Größenwahn im Nahen Osten, München: Wilhelm Goldmann Verlag 2025, S.63. 

  16. Für die unübersehbare Literatur zum nun schon seit Jahrzehnten Modethema Gender ist Eugen Rosenstock-Huessy ein Unbekannter. Jenseits von Gesinnung und Ämterpatronage fehlt es an einem wirklichen Verständnis, auch wenn die „Gleichzeitigkeit“ korrekt konstatiert wird: Exemplarisch: Shila Behjat, Frauen und Revolution, München: Carl Handser Verlag 2025, S.257. 

  17. Als die schöne Jüdin, als die „Heldinnen der Bibel“, gelten Judith, Ruth und Esther. Eugen Rosenstock, Die Tochter, in: ders. Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), Würzburg: Patmos-Verlag 1920, S.284. 

  18. Eugen Rosenstock, Menschheit und Menschengeschlecht, in: ders. Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), Würzburg: Patmos-Verlag 1920, S.302. 

  19. Bernhard Böschenstein, Die Bedeutung der Quelle für Goethes „Natürliche Tochter“, in: Johann Wolfgang Goethe, Die natürliche Tochter. Mit den Memoiren der Stéphanie Louise de Bourbon-Conti und drei Studien von Bernhard Böschenstein, Frankfurt a.M.: Insel Verlag 1990, S.322ff. 

  20. Sein Schulkollege und späterer Schwager Max Hamburger hat ihn gelegentlich scherzhaft Eugenie tituliert. 

  21. Bernhard Böschenstein, Goethes „natürliche Tochter“ als Antwort auf die Französische Revolution, in: Johann Wolfgang Goethe, Die natürliche Tochter. Mit den Memoiren der Stéphanie Louise de Bourbon-Conti und drei Studien von Bernhard Böschenstein, Frankfurt a.M.: Insel Verlag 1990, S.358. 

  22. Johann Wolfgang Goethe, Die natürliche Tochter, in: ders., Dramen 1791 – 1832, hrsg.v. Dieter Borchmeyer, Peter Huber (= Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche; I. Abt., Bd.6), Frankfurt a. M.: Deutscher Klassiker Verlag 1993, S.301-394.; Kommentar, S.1116-1175. 

  23. Bernhard Böschenstein, Goethes „natürliche Tochter“ als Antwort auf die Französische Revolution, in: Johann Wolfgang Goethe, Die natürliche Tochter. Mit den Memoiren der Stéphanie Louise de Bourbon-Conti und drei Studien von Bernhard Böschenstein, Frankfurt a.M.: Insel Verlag 1990, S.354. 

  24. Friedrich Gundolf, Goethe, 2. Aufl., Berlin: Georg Bondi 1917, S.467ff. 

  25. Friedrich Gundolf, Goethe, 2. Aufl., Berlin: Georg Bondi 1917, S.471.

  26. Gustav Radbruch, Wilhelm Meisters sozial-politische Sendung. Eine rechtsphilosophische Goethe-Studie, in: Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur, 8.Jg., H.2 (1919-20), S.159. Dort auch schon: Jonas Cohn, Wilhelm Meisters Wanderjahre, ihr Sinn und die Bedeutung für die Gegenwart, in: Logos, 1. Jg., H.2 (1910), S.228-256. 

  27. Gustav Radbruch, Wilhelm Meisters sozial-politische Sendung. Eine rechtsphilosophische Goethe-Studie, in: Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur, 8.Jg., H.2 (1919-20), S.159.

  28. Es liegt nahe, eine Anregung durch Emil Lasks „Rechtsphilosophie“ von 1905 zu vermuten, die schon Radbruch beeinflußt hatte, allerdings fehlen in dieser Hinsicht bisher einschlägige Belege bei Eugen Rosenstock-Huessy; vgl. Jing Zhao, Die Rechtsphilosophie Gustav Radbruchs unter dem Einfluss von Emil Lask. Eine Studie zur neukantianischen Neubegründung des Rechts (= Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie; Bd. 74), Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2020, S.61ff. Kant ist die zentrale philosophische Referenz in der Frühfassung der Soziologie! 

  29. Eugen Rosenstock-Huessy, Die Tochter – Das Buch Rut, verdeutscht von Martin Buber, hrsg.v. Bas Leenman, Mössingen-Talheim: Talheimer Verlag 1988, S.9. 

  30. Eugen Rosenstock, Die Tochter, in: ders. Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), Würzburg: Patmos-Verlag 1920, S.280. 

  31. Eugen Rosenstock-Huessy, Die Einheit des europäischen Geistes, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.79. 

  32. Jüngste Darstellung der Forschungen zur Frauenfrage im Kaiserreich bei: Roger Chickering, The German Empire, 1871-1918, Cambridge University Press 2025, S.251-268. 

  33. Alice Salomon, Lebenserinnerungen. Jugendjahre, Sozialreform, Frauenbewegung, Exil, hrsg.v.d. Alice Salomon Hochschule Berlin, 2. Aufl., Frankfurt a.M.: Brandes & Apsel 2024. 

  34. Salomon, Alice, Wirtschaftliche Probleme der Frauenbewegung, in: Archiv für Rechts- und Wirtschaftsphilosophie, Bd.IV (1910/1911), S.359ff. 

  35. Anzuführen wären hier: Handbuch der Frauenbewegung, hrsg.v. Helene Lange, Gertrud Bäumer, I. Teil: Die Geschichte der Frauenbewegung in den Kulturländern, Berlin: W. Moeser Buchhandlung 1901; Handbuch der Frauenbewegung, hrsg.v. Helene Lange, Gertrud Bäumer, II. Teil: Frauenbewegung und soziale Frauenthätigkeit in Deutschland nach Einzelgebieten, Berlin: W. Moeser Buchhandlung 1901; Handbuch der Frauenbewegung, hrsg.v. Helene Lange, Gertrud Bäumer, III. Teil: Der Stand der Frauenbildung in den Kulturländern, Berlin: W. Moeser Buchhandlung 1902; Handbuch der Frauenbewegung, hrsg.v. Helene Lange, Gertrud Bäumer, IV. Teil: Die deutsche Frau im Beruf, Berlin: W. Moeser Buchhandlung 1902; Käthe Schirmacher, Die moderne Frauenbewegung. Ein geschichtlicher Überblick, Leipzig: Teubner 1909; Politisches Handbuch für Frauen, hrsg.v. Allgemeinen Deutschen Frauen-Verein, Leipzig: Teubner 1909; Elisabeth Gnauck-Kühne, Die deutsche Frau um die Jahrhundertwende. Statistische Studie zur Frauenfrage, Berlin: Verlag von Otto Liebmann 1904. 

  36. Marianne Weber, Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung. Eine Einführung, Tübingen: J.C.B.Mohr(Paul Siebeck) 1907. 

  37. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte. Nachlaß, Teilband 1: Gemeinschaften, hrsg.v. Wolfgang J. Mommsen i.Z.m. Michael Meyer (= MWG I/22-1), Tübingen: J.C.B.Mohr(Paul Siebeck) 2001, S.132ff. 

  38. Eugen Rosenstock-Huessy, Im Kreuz der Wirklichkeit. Eine nach-goethische Soziologie, Bd.3: Die Vollzahl der Zeiten 2, hrsg. von Michael Gormann-Thelen, Ruth Mautner, Lise van der Molen, mit einem Vorwort von Irene Scherer, verb., vollst. und korrigierte Neuausgabe (= Talheimer Reihe Texte aus der Geschichte; Bd.6), Mössingen-Talheim: Talheimer Verlag 2009, S.510ff. 

  39. Wolfgang Ullmann, Die Entdeckung des neuen Denkens. Das Leipziger Nachtgespräch und der Briefwechsel über Judentum und Christentum zwischen Eugen Rosenstock und Franz Rosenzweig, in: stimmstein. Jahrbuch der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft, Bd.2, hrsg.v. Bas Leenman, Lise van der Molen, André Sikojev, Eckart Wilkens, Moers: Brendow Verlag 1987, S.147-178; Hugo Gotthard Bloth, Was geschah im „Leipziger Nachtgespräch“ am 7.7.1913 zwischen den Freunden Eigen Rosenstock, Franz Rosenzweig und Rudolf Ehrenberg? In: Mitteilungsblatt der Eugen-Rosenstock-Huessy-Gesellschaft 1982, S.2-14. 

  40. Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, Nachdruck der Ausgabe 1770, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996, S.291/292. 

  41. Eugen Rosenstock-Huessy, Im Kreuz der Wirklichkeit. Eine nach-goethische Soziologie, Bd.3: Die Vollzahl der Zeiten 2, hrsg. von Michael Gormann-Thelen, Ruth Mautner, Lise van der Molen, mit einem Vorwort von Irene Scherer, verb., vollst. und korrigierte Neuausgabe (= Talheimer Reihe Texte aus der Geschichte; Bd.6), Mössingen-Talheim: Talheimer Verlag 2009, S.497. 

  42. Ebda., S.501. 

  43. Ebda., S.502. 

  44. Ebda., S.504ff. 

  45. Ebda., S.505. 

  46. Ebda., S.508. 

  47. Selma Lagerlöf, Die Wunder des Antichrist <1897>. Roman, München: Verlag Albert Langen 1920, S.481.