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Sven Bergmann: Gegen eine Heimat von Verirrten

Eugen Rosenstock-Huessy und der deutsche Widerstand

Die reichen Millionäre des ach so glänzenden Wirtschaftswunders konfrontierte Eugen Rosenstock-Huessy mit dem Vorwurf, daß sie „geradezu alles aufbieten, um den Märtyrern unter Hitler, von Stauffenberg bis Schlabrendorff, die Ehren noch nachträglich abzuschneiden“.1 Auch sein Vertrauen in die erneuernde Kraft der Kirchen hielt sich in Grenzen:
Blutzeugen, auch Laien standen in der alten Kirche über den Bischöfen. Auch Hitlers Blutzeugen Hans Häften, Delp, Moltke, Hofacker ragen über die Theologen aller Konfessionen empor. Es zeugt von dem völligen Tode der etablierten Landeskirchen, daß es weder eine Hans-von-Häften-, noch eine Helmuth-von-Moltke-Kirche oder Schule im evangelischen Lande gibt. Dietrich Bonhoeffer haben die Pfaffen sein politisches Martyrium vergeben, weil er Pfarrer und Theologe vorher gewesen war, und sie sich hinter diese, seine fachliche Vorgeschichte verkriechen können. Die sogenannten Kirchen stehen unter der Devise: „Bonn zahlt alles“. Christus aber lebt nur da, wo Unbezahlbares geschieht, geschehen ist und geschehen wird.2

Mit wachem Blick verfolgte er nicht erst seit seinem Göttinger Gastsemester 1950 die Gründung der neuen Bundesrepublik und kannte viele derer nur zu gut, die erneut um Amt und Würden rangen. Als seine Freunde Georg Müller, Ernst Michel und Kurt Ballerstedt ihn zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen suchten, knüpfte er dies an die Bedingung, die deutsche Regierung möge Helmuth James von Moltke und Dietrich Bonhoeffer als Leitsterne der deutschen Verfassung anerkennen.3 Abgesehen von einigen Vortragsreisen oder Gastsemestern ist es nicht zu einer Rückwanderung gekommen. Seine Frau Margrit, mit der er seit 1914 verheiratet war und die am 4. September 1959 starb, war strikt gegen eine Rückkehr. Und so verfolgte Eugen Rosenstock-Huessy den Lauf der Dinge aus seiner Heimat Four Wells in Vermont, im Kreis seiner elf Enkel und, nach einem Jahr der Trauer, zusammen mit seiner neuen Lebensgefährtin Freya von Moltke, der Witwe Helmuth James von Moltkes.4 Bei einem seiner Deutschlandbesuche hatte er den Verfassungsrichter Gerhard Leibholz und dessen Frau Sabine Bonhoeffer-Leibholz, die Zwillingsschwester von Dietrich Bonhoeffer kennengelernt, mit der er über viele Jahre korrespondierte.5 Eugen Rosenstock-Huessy hatte in der Weimarer Republik früh die Gefahren gesehen, die seit 1918 aus dem „Ludendorff“ und der „Hindenburg“ drohten und 1933 konsequent Deutschland verlassen.6 Was im „Tausendjährigen Reich“ verbrochen wurde, konnte ihn wenig überraschen: „Prasselnd verzehrte die Feuersbrunst Reichstag, Reich und Europa.“7 Zu den Breslauer Studenten des Juristen zählten später führende Widerständler des „Kreisauer Kreises“, etwa Helmuth James Graf von Moltke, Carl-Dietrich von Trotha, Peter Graf Yorck von Wartenburg oder Horst von Einsiedel.8 Walter Hammer honorierte Eugen Rosenstock anlässlich seines 70. Geburtstages zum „Erzvater des Kreisauer Kreises“.9 Die spannungsreiche Parallele, aber doch klare Alternative zum „Kronjuristen des Dritten Reichs“, Carl Schmitt drängt sich auf.10

Eugen Rosenstock-Huessy kannte die Schicksale der Widerständler und ihrer Familien aus unmittelbarer persönlicher Anschauung und auch sonst die Herausforderung der neuen alten Bürokratie in Deutschland. Wie kaum ein anderer wies er auf die Bedeutung der Anerkennung des Widerstands für die Existenz Deutschlands und der deutschen Sprache hin. Die Widerständler waren Blutzeugen, Märtyrer, die vor der Welt Zeugnis für ein anderes Deutschland abgelegt hatten.
Wenn ein Tag wie ein Leuchtturm herausgehoben wird, rücken alle anderen in den Lichtkegel dieses Tages. So ist es mit dem 20. Juli 1944. Alles, was vorher geschah in stiller Opposition, in zähem Widerstand, im Behaupten der Menschlichkeit, wäre im Dunkel geblieben, wenn nicht dieser Tag unter einem gewaltigen Knall aufgebrochen und zu einer Fackel geworden wäre, die ihren Schein auf alles wirft, was vorher und nachher geschah. Darum ist es so wichtig, daß wir heute dieses 20. Juli 1944 gedenken. Die 5000 besten Deutschen, die wegen dieses Tages fielen und heute an allen Ecken und Enden in Deutschland so bitter fehlen, sie wären unersetzlich, wenn ihrer nicht gedacht würde.11

„Raufkumpan“ von Margret Boveri

Im Sommer 1956 ist Eugen Rosenstock-Huessy auf Einladung der Bundesregierung in Deutschland, besucht Freunde in Tübingen, Heidelberg, Bonn oder Frankfurt und nimmt an Tagungen verschiedener Akademien teil.12 In Berlin kommt es zur Wiederbegegnung mit Freya von Moltke. In Berlin Wannsee tritt er vor der Evangelischen Akademie auf und lernt dort Margret Boveri kennen.13 Im gleichen Jahr erscheinen deren erste zwei Bände „Der Verrat im 20. Jahrhundert“ als Rowohlt Taschenbuch, die die Autorin mit einer Widmung in die Vereinigten Staaten schickt.14 Umgehend beginnen Margrit und Eugen mit der Lektüre, mit „Herzenswut“ wie Eugen später an Boveri schreibt.15 Schließlich hatte Boveri auch die Aktivitäten Rosenstock-Huessy im Rahmen „Der Kreisauer“ beschrieben:
Hervorgegangen ist sie aus den Arbeiter- und Studentenlager Löwenberg in Schlesien, das vorbildlich werden sollte für die regional aufgebauten freiwilligen Arbeitslager in ganz Deutschland. Eugen Rosenstock-Huessy als Lehrender und drei junge Freunde, von Einsiedel, von Trotha und von Moltke waren die Initiatoren und dieses Zusammenwirken einer älteren und einer jüngeren Generation, im Gegensatz zur „Einaltrigkeit“ der Jugendbewegung und der späteren Hitlerjugend, gehörte zu den wichtigen Grundlagen des Versuchs.16

Am 21. September geht eine ausführliche Kritik auf die Reise, an die sich ein Gedankenaustausch bis Ende des Jahres anschließt. Daß hier grundlegende Gedanken entwickelt sind, ergibt sich aus der kurz darauf erfolgenden Veröffentlichung in der Zeitschrift „Die Gegenwart“ sowie 1958 durch Aufnahme in den Sammelband „Das Geheimnis der Universität“. 17 In diesem Brief entwickelt Eugen Rosenstock-Huessy seine Maßstäbe zur Trennung von Spreu und Weizen und zur Einordnung des 20. Juli in die Weltgeschichte. Nicht als ein kleines Rädchen im mechanischen Getriebe der ewig rollenden Zeit, sondern als elementares Ereignis, an dem sich alle künftige Geschichte neu ausrichte.
Ohne Kreisau wäre der Morgenthauplan durchgeführt worden, ohne Kreisau hätte ich nie wieder Deutschland betreten können. Ohne die positive Haltung zu Helmuth Moltke oder Bonhoeffer von deutscher Seite wären weder die Moltkes noch Leibholzens jetzt in Deutschland. Daher waren diese Verräter in actu 1944 bereits Träger der künftigen deutschen auswärtigen Beziehungen.18

Von hier aus erhebt er Einspruch gegen Boveris Vermengung verschiedenster Formen des Verrats wie er in einem kurzen Vorspann bemerkt. Damit entgingen ihr die entscheidenden Maßstäbe, Recht von Unrecht zu scheiden:
In diesen Bänden wird als Verräter abgehandelt, wen ein Gericht als Verräter bezeichnet hat. So marschieren in bunter Reihe die auf, welche zu Gunsten Hitlers im Ausland Verrat begingen, wie die Rose von Tokio, Quisling, Knut Hamsun, hingegen in Deutschland gerade solche, die sich gegen Hitler gewendet haben.19

Aber die wirklichen Verräter, die Herren Hitler, Göring und Goebbels kämen in ihrem Konzept nicht unter. Auch sei Boveri entgangen, „daß gegen H. J. v. Moltke die Anklage des Hochverrats durch Hitlers Schergen selber fallen gelassen worden ist!“20 In einem anderem Zusammenhang bemerkt er, es sei eine irrige Annahme, daß die Zeit geradlinig sei: „Die tiefe Zeit ist nie einlinig oder einschichtig; sie ist immer gespalten und katastrophenträchtig.“21 Inzwischen komme er sich altmodisch vor, erstaunt in welchen Riesenschritten die Trennung von Glaube und Politik schon vorangeschritten sei.
Denn weil Hitlers innerdeutsche Legitimität auf seinem totalen Verrat aller außerdeutschen Beziehungen beruhte, und jede innerdeutsche angebliche „Regierungshandlung“ des Räuberhauptmanns und Wilddiebs auf dem Verrat einer außerdeutschen Grund-Religio basierte, so mußte das Martyrium seiner innerdeutschen Gegner die Solidarität mit der außerdeutschen Menschheit vollziehen. Die wird vollzogen, wenn wir ein Wort, das wir sprechen, auch gegen uns gelten lassen. Daher ist das Martyrium der Prüfstein, daß auf Erden der Logos noch uns Lehmpuppen begeistert.22

Für Magret Boveri geht die Verknüpfung von Religion und Politik, die Durchdringung unterschiedlicher Zeiten und Generationen zu weit. Auch findet sie die Ausführungen von Rosenstock-Huessy zu rigoros. Jedenfalls merkt sie an, seinen Ausführungen nicht ganz folgen zu können. Als ihr Kernanliegen bezeichnet sie, die „eisernen Vorhänge” zu zerreißen, mit denen „die Propagandamaschine” Schule, Hitlerjugend und Arbeitsdienst indoktriniert habe, bzw. denen Ideale eingeimpft worden waren, die „durch und durch verlogen” waren.23 Am Ende ihres Vorworts zur 3. Auflage des „Verrats“ geht Boveri ausdrücklich auf die Kritik Rosenstock-Huessys ein. Sie sehe sich nicht in der Lage, ihre Untersuchungen in den Bauplan einer Heilsgeschichte einzuordnen. Ihr Leistung sieht sie in der „Erforschung des Wißbaren“ und auf diesem Gebiet des Faktischen gebe es noch genug „Gefilde und Gestrüppe“ durchzuackern.24 Dabei verstand Rosenstock-Huessy seine Kritik keineswegs als theoretisch oder komplex. Die Wirksamkeit der Namen zeige sich ganz konkret und sei entscheidend für eine gemeinsame Zukunft:
Seit Jesus bedürfen sogar die Sprachen ihrer Wiederherstellung aus Mehr als Sprechen, aus Bezeugung, weil nämlich das Erschließen der Sprachen gegeneinander die neue Aufgabe unseres Weltalters ist. Die Namen jedes Volkes werden ja auch zu Namen seiner Nachbarn und Feinde. Namen sind die internationale Sprache. Wie Hitler, so muß Moltke und Bonhoeffer ein Wort aller Völker werden.25

An dieser Perspektive wird kaum zu zweifeln sein, daß Namen wie Stalin, Mao, Ghandi, Einstein, Kennedy, Luther King, Monroe, Thunberg, Mandela, Pele, Muhammed Ali, Hitchcock, Caesar oder Churchill im Guten oder Bösen rund um den Globus verstanden werden, egal in welcher Nationalsprache.

Die Ausführungen Margret Boveris bleiben trotz inzwischen erzielter Fortschritte der Forschung unverzichtbar. Denn so wie Eugen Rosenstock verfügte sie über direkte und indirekte persönliche Verbindungen in die führenden Kreise Deutschlands oder auch der Auslandspresse (Dorothy Thompson26) und damit über intimes, schriftlich nicht dokumentiertes Wissen. Außerdem verfügten beide über die Anschaulichkeit des Zeitgenossen, die jedem Nachgeborenen abgehen muß. „Ein merkwürdiges Zwielicht, in dem die Verschwörung gedieh. Keiner kann von den Nachgeborenen erwarten, daß sie sich in dieser Welt der verschränkten Fronten, der sich überkreuzenden Linien zu orientieren vermögen.“ 27 Natürlich liegen hier die Verzerrung durch Betroffenheit auf der einen Seite der Waagschale, auf der anderen Seite aber auch eine adäquatere Gewichtung der verschiedenen Ereignisse und Konstellationen. Rosenstock verfügte seit seiner Schulzeit am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin über beste Verbindungen zu tonangebenden Familien und hatte an der TU Darmstadt mit Viktor Bausch, Arnold Borsig, Eberhard von Brauchitsch „Prinzen der Industrie“ unterrichtet. Als Breslauer Universitätslehrer zählten von Moltke, von Einsiedel, von Trotha und von Wartenburg nicht nur zu seinen Studenten, sondern auch zu Mitkämpfern für die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft. Früchte dieses breiten Netzwerks waren einige seiner Nachkriegsvorträge vor Vertretern der Wirtschaft, der neuen Bundeswehr oder der Bonner Politik. Das diffizile und fragile Geflecht der verschiedenen Widerstandsgruppen und der dabei aufeinander treffenden Charaktere erschließt sich bei Margret Boveri weitaus anschaulicher als in den häufig statischen und „objektiven“ Übersichtsdarstellungen jüngster Art.

Kampf gegen die falsche Zeit

Eugen Rosenstock war den Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus eine Generation voraus. Schon 1920 hatte er ein „Lügenkaisertum“, einen Ver-Führer vorausgesehen, so wie Max Weber eine „Polarnacht“ von „eisiger Finsternis und Härte“ und Ernst Troeltsch die „Rache“ der Gegenrevolution erwartete. 1931 unterstrich er: „Der Nationalsozialismus hat seinen Geburtsschein von 1919.“28 Mit dieser Vorahnung widmete er einen große Teil der ihm zur Verfügung stehenden Energie, das Schlimmste zu verhindern und Brücken zu bauen, zwischen Arbeitern, Bauern und Studenten, zwischen evangelischer, katholischer und jüdischer Religion, zwischen Jung und Alt, zwischen Zivil und Militär, zwischen Liberalen, Konservativen und Sozialisten, Beamten und Gefängnisinsassen. 1933 gab er sich keinerlei Illusionen hin, legte seine Juraprofessur nieder und wanderte noch im selben Jahr aus. Es ist kein Zufall, daß dieser Ansatz eines gesellschaftlichen Ausgleichs viele der Gedanken des Kreisauer Kreises vorwegnimmt. Von seinen Breslauer Studenten und der Löwenberger Arbeitsgemeinschaft war schon die Rede.

Eine weitere Initiative an der Eugen Rosenstock maßgeblich beteiligt war, war die überkonfessionelle Zeitschrift „Die Kreatur“ die in drei Jahrgängen von 1925 bis 1929 erschien und zu der er fünf Beiträge beisteuerte: „Lehrer oder Führer? Zur Polychronie des Menschen“, „Die Polychronie des Volks“, „Kirche und Arbeit. Eine Rede“, „Die Gefangenschaft des Volkes. Eine Rede“ sowie „Die rückwärts gelebte Zeit“. Mit den drei Herausgebern Viktor von Weizsächer, Martin Buber und Joseph Wittich war er eng befreundet. Er und Franz Rosenzweig hatten die Zeitschrift maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Und die Beiträge fielen genau in die Zeit der Kontaktaufnahme zu den späteren Widerstandskämpfern. 1926 lernt er in Breslau von Trotha und von Einsiedel kennen und 1927 dann Helmuth James von Moltke. 1933 kommt es zu einem letzten Treffen mit Moltke und seiner Frau Freya in Berlin. Erst 1956 wird er Freya wiedersehen.

Schon im Titel bringt Eugen Rosenstock-Huessy die Führersehnsucht der jüngeren Generationen auf den Punkt.29 Und er unterscheidet genau die Jahrgänge, die in den Ersten Weltkrieg gepreßt worden sind und die Jahrgänge des neuen Jahrtausends, die den Krieg nur vom Hörensagen erfuhren. „Die Jahrgänge 1869 - 1899 der deutschen Mannschaft - ob daheim ob draußen, ob fechtend oder denkend - waren in einem Siegeswillen zu einem Leib zusammengeglüht und zusammengeschmolzen. Kein Sparta, kein Rom und kein Venedig hat eine ähnliche Hingabe erlebt. Die äußerste Kraft politischen, geführten Gemeinschaftslebens ist hier leibhaftig geworden.“30 Daraus ergab sich die Dezimierung der Kriegsjahrgänge und die „überstarke Besetzung“ der Jahrgänge 1900 bis 1914, die sich dann besonders extrem „einaltrig“ nach Führung sehnten.31

Die Nachkriegsjugend aber ist durch und durch politisiert. Sie kennt keine menschliche Beziehung ohne solche politische Phraseologie: Gruppe, Gemeinschaft, die Anrede mit Vor - und Zunamen, Fahrt, Bund sind an die Stelle der geheimen, scheuen, privaten und persönlichen Beziehungen getreten. Das Leben der Geschlechter, der Generationen ist entspannt und wird als naturhaftes Kräftespiel gewertet. Denn zahllose seelische Geheimnisse, Bedrängnisse, Süchte und Komplexe werden heut offen aussprechbar und ausgesprochen durch reine und unreine Geister. Unser Seelenleben gewinnt so eine Art gegenseitiger Durchschaubarkeit, einer früher undenkbaren Halböffentlichkeit. Innerhalb dieses unerhört vereinheitlichenden Kommunismus wird Beruf, Studium, Liebe, Freundschaft, alles politisiert, d.h. als ein typisches, zweckhaftes Gefüge von Kampf- und Spielregeln angesehen.32

Diese „Einaltrigkeit“ großer Teile der deutschen Gesellschaft führt Eugen Rosenstock dann auch in den anderen vier Artikeln näher aus:
Mehraltrig sein heißt keinem Alter ganz angehören, also nicht führen! Die Kraft zur Mehraltrigkeit geht eben gegen die zur Führerordnung geschaffene Natur des Menschen. Mehraltrigkeit ist nichts Ursprüngliches und nichts Politisches, weil sie Verzicht voraussetzt auf den Mythos, dem man „ursprünglich” angehört, und auf die Politik, die man nach diesen Interessen „eigentlich“ treiben müßte. Sie ist der Mode, dem Zeitgeist, dem Augenblick, dem Generationserlebnis, kurz allem, aus dem einaltrige Führung entsteht, entrückt.33

Vor dem Hintergrund der internationalen Arbeitsteilung ist es für ihn eine Illusion, an die traditionellen Gewißheiten von Berufsordnungen oder Persönlichkeitsbildung anknüpfen zu wollen. Die Arbeitswelt rollt 365 Tage und 24 Stunden über den einzelnen Menschen hinweg und reißt Arbeiter, Beamte oder Priester mit sich. Deshalb sei es unabdingbar, ein neues Maß zu finden und eine neue „seelische Heimat für das Arbeitstier Mensch“ zu schaffen.34
Man faßt die Menschen nicht mehr, kann sie auch nicht durch Vereine usw. mehr fassen, sie laufen weg, weil sie krank sind, ungläubig sind, an sich selbst ungläubig sind. Sie sind schon vorher ungläubig, nicht bloß in kirchlichen Dingen, ungläubig auch in den Instinkten des eigenen Lebens, beim Heiraten, Kinderkriegen, bei der Berufswahl. Mehr und mehr nimmt der Mensch diese Beziehungen ohne persönlichen Gewissenseinsatz, als bloß sachliche Vorfälle, an. Nun handelt es sich darum, diese merkwürdigen Beziehungen zwischen Arbeitswelt und geistiger Welt wiederherzustellen, damit die Kirche wieder ein Echo findet. Daher kommt es auch, daß der Begriff Arbeitsgemeinschaft so wichtig wird. Ganz unkirchlich, untheologisch muß der Arbeitsmensch seine Arbeit als Spiel vor seinem Schöpfer tun lernen. Es ist eine Entlastung des Theologischen notwendig, indem all die natürlichen Glaubenskräfte erst einmal gepflegt werden müssen. Dann kommt alles von selbst.35

Eugen Rosenstock-Huessy stand klar vor Augen, daß sich die tiefliegenden gesellschaftlichen Konflikte seiner Zeit nicht „ausdiskutieren” lassen. Die einzige Therapie sah er in der gemeinsamen Arbeit verschiedener Gruppen im Schweiße ihres Angesichts. Und sicher war die Initiative der Löwenberger Arbeitsgemeinschaft, trotz unvermeidlicher Widrigkeiten, ein Erfolg, aber eben auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Den Wiederabdruck des ersten Aufsatzes „Lehrer oder Führer“ 1964 versah er mit der Bemerkung:
Mein Ringen um die Stimmen, die dem Dasein einer Nation Ausdruck geben, und die in ihr laut werden müssen, soll sie Nation heißen dürfen, hat mit meiner Auswanderung nach USA geendet. Die gläubigen Leser dieses „Kreatur“-beitrags waren nicht zahlreich; die Besten aus ihnen fanden sich in der weitreichendsten Gruppe des Widerstandes gegen den einsprachigen, den monologisierenden Führer. Er hat die Nation vernichtet, so gut er konnte. Er hat geglaubt, den Kreisauer Kreis vernichten zu können. Die sichtbare Nation ist zerteilt wie die Leiche des Säuglings durch die falsche Mutter im Salomonischen Urteil. Den Kreisauer Kreis kann auch ein teppichbeißender Monologist nicht fressen.36

Inzwischen hat die Geschichte des Widerstandes selbst ihre Geschichte. Aus heutiger Sicht kann es nur erschrecken, zu lesen wie die Märtyrer gegen Hitler in der Nachkriegszeit behandelt wurden. Sie standen am Rande der Gesellschaft, sahen sich den absurdesten Vorwürfen des Verrats ausgesetzt und waren gegen die übergroße Mehrheit der Ewiggestrigen allein auf weiter Flur. Familien kämpften gegen die Windmühlen der Bürokratie. Sie waren Außenseiter im Dritten Reich und sie blieben es in der frühen Bundesrepublik. Erst allmählich wandelte sich das Bild und es wurde deutlich, wo die Vorbilder für eine bessere Zukunft zu finden waren. Trotzdem bleiben manche Einordnungen und Ratschläge aus der Gegenwart allzu wohlfeil:
Etwas mehr von der Großmut und Großzügigkeit der Menschen des 20. Juli würde in der heutigen politischen Kleinkariertheit guttun. Denn was hätten diese Leute, die heute in einer Demokratie über jene Menschen urteilen, die einen Menschenvernichter in einer monströsen Diktatur beseitigen wollten, wohl getan in dieser einen Nacht?37

Das Widerstandsparadox

Wie hätte Eugen Rosenstock-Huessy nach 75 Jahren den Umgang der Deutschen mit dem Widerstand gegen Hitler und seine Gläubigen betrachtet. Sicher hätte er auf das Paradox verwiesen, daß der Breite des Widerstands in geradezu vollkommener Verdrehung der Wirklichkeit gedacht wurde. Diejenigen Kreise, die sich zuallerletzt gegen die Nazis stellten, wurden zuerst gewürdigt und die Gruppen, die Hitler von Beginn an bekämpften, wurden erst nach mehr als zwei Generationen in das Gedenken an den 20. Juli einbezogen, mit Widerspruch bis in die jüngste Gegenwart. Bahnbrechend erschien in Ausarbeitung eines Vortages von 1947 zunächst im englischen Exil das Buch von Hans Rothfels, das 1949 in deutscher Übersetzung in einem kleinen Verlag vorlag: Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung. Scherpe Verlag, Krefeld 1949 (zuerst auf Englisch als: The German opposition to Hitler – An Appraisal (= The Humanist Library). Verlag Regnery, Hinsdale, Illinois 1948). Hans Rothfels, einer von wenigen deutschen Historikern, der schon bald nach dem Krieg aus seiner Emigration zurückkehrte, war der Pionier der Zeitgeschichte in der Bundesrepublik. Seine konservative Grundhaltung erleichterte den Wiedereinstieg in die noch weitgehend vom nationalen Machtstaatsgedanken geprägte Zunft. Auf der anderen Seite spricht für ihn, daß mit Hans Mommsen und Heinrich August Winkler zwei seiner bekanntesten Schüler zur Sozialdemokratie tendierten. Bezeichnend ist, daß er sich das von Georg Elser geplante und durchgeführte, aber gescheiterte Attentat im Bürgerbräukeller nur als mit Hilfe der Gestapo lanciert vorstellen konnte.38 Wenn man von Erinnerungen beteiligter Personen absieht, erschien die erste wissenschaftliche „Biographie“ des Widerstands 1954 „Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung“, verfaßt von Gerhard Ritter. Auch dieser schrieb aus einer nationalkonservativen Perspektive.39

Daß die historische Erinnerung immer über vier Generationen vom Großvater bis zum Enkel spannt, hat der akademische Lehrer von Helmuth James von Moltke unermüdlich betont.40
Aber der grundlegende Unterschied zwischen mir und meinen Enkeln ist doch, daß der Kreisauer Kreis aus lauter Zeugen sich bildete, die viel jünger als ich waren. Sie hingegen, meine Enkel, finden die Namen dieser Männer bereits an Ort und Stelle, so als liegen sie „hinter“ ihnen. Alles kommt darauf an, daß sie sich nun auch hinter diese Männer ausdrücklich stellen. Erst dann nämlich sind sie jünger als ich. Nicht Verbformen oder Zahlenwerte unterscheiden die um 1800 und um 2000 Geborenen voneinander, aber die Namen unterscheiden sie, die unter den Keulenschlägen des Geschicks inzwischen am Horizont der Sprecher und Hörer aufgestiegen oder untergegangen sind. Denn nach diesen Namen hat sich der von 1800 und der von 2000 zu richten. Diese Umbildung der namentlichen Sternbilder, nach denen wir uns richten, - „ein jeder muß sich seinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp sich nacharbeitet“ – leistet nun jene Lebensform, die in der angeblichen Natur der Sprache nicht vorzukommen brauchte.41

Wem die Ausführungen von Eugen Rosenstock-Huessy zu abgründig erscheinen, der sollte mindestens zur Kenntnis nehmen, daß kein geringerer als Max Weber ähnliche Überlegungen zur Abfolge der Generationen und die Zukunftsverantwortung anstellte:
Weil aber das Vaterland für uns nicht das Land der Väter, sondern der Nachfahren ist, und weil wir zu den Nachfahren mehr Zutrauen haben und haben müssen als zu der älteren Generation, weil wir endlich die entschlossene Absage an die dynastische Legitimität als ein Mittel schätzen, auch das Bürgertum endlich politisch auf eigene Füße zu stellen, deshalb fügen wir uns zwar loyal jeder Mehrheitsentscheidung durch Konstituante und Plebiszit, stehen aber unsererseits ohne Vorbehalt und Zweideutigkeit auf dem Boden der Republik.42

Inzwischen trennen uns mehr als drei Generationen von den Ereignissen rund um den 20. Juli 1944, der als Symbol für die ganze Bandbreite des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus steht. Vor dem Hintergrund, daß Gegner des Nationalsozialismus mit ihrer Enttarnung und Hinrichtung rechnen mußten und entsprechend konspirativ vorgehen mußten, ist es erstaunlich, wie detailliert wir inzwischen über alle Gruppen des Widerstands informiert sind. Es gab Widerstand von 1933 an und bis zum bitteren Ende, angefangen von Sozialisten und Kommunisten, Christen, Handwerkern, Studenten, Militärs, Konservativen und Liberalen, Einzelgängern und kleinen Gruppen. Tatsache ist aber auch, daß nur ein ganz geringer Teil der deutschen Gesellschaft am Mythos „ihres“ Führers rüttelte. Auch nach dem Untergang des tausendjährigen Reiches sahen sich viele Widerständler mit dem Vorwurf des Verrats konfrontiert, ganz nach Weisung Adolf Hitlers am Abend des Attentats, „eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, verbrecherisch-dummer Offiziere“ ein „Komplott geschmiedet“ habe. 43 Nach den Pionierarbeiten von Hans Rothfels und Gerhard Ritter verbreiterten sich die Perspektiven und in den 70er und 80er Jahren erschienen wichtige Arbeiten von Hans Mommsen, Karl Dietrich Bracher, Peter Steinbach oder Peter Hoffmann. Eine große Ausnahme für eine breit angelegte und kritische Darstellung des Widerstands hatte Klaus Harpprecht schon zum 25. Jahrestag des Attentats vorbereitet, die bezeichnenderweise aber nicht erscheinen durfte.44 Heute ist der Widerstand ein historisch besonders gut ausgeleuchtetes Kapitel der deutschen Geschichte. Wichtige Etappen markieren die Gedenktage, die beginnend mit vereinzelten Veranstaltungen zu einer festen Termin im Bundestag oder im Reichstag wurden.45

Eine Leerstelle in der Literatur über den 20. Juli 1944 bildet die Verknüpfung mit dem 20. Juli 1932 oder mit grundlegenden Strukturproblemen Deutschland zwischen dem Reich und den Einzelstaaten sowie Industrie und Agrarwirtschaft wie sie Max Weber elementar herausgearbeitet hatte:
Deutschland ist aber keine ökonomische Einheit, Deutschland ist zusammengeschweißt aus zwei von einander wesentlich verschiedenen wirtschaftlichen Gebieten, von denen das eine nach Westen, das andere nach Osten blickt, das eine längst „Industriestaat“ ist, das andere bisher „Agrarstaat“ blieb; und das fundamentale Problem unserer ganzen nationalen Wirtschaftspolitik liegt in dem unausgeglichenen Verhältnis dieser beiden, ungefähr an der Elbe und untern Weser sich voneinander scheidenden Hälften, welche politisch zusammengehören, ökonomisch aber auseinanderstreben.46

Auch für einen solchen historischen Bogen finden sich Anknüpfungspunkte bei Eugen Rosenstock-Huessy, man denke nur an seine beiden späten, unter Pseudonym veröffentlichten Aufsätze in der katholischen Zeitschrift „Hochland“ seines Freundes Carl Muth. Es spricht Bände, daß sich beide Aufsätze den Konservativen widmen und sich der Autor des Pseudonyms „Julius Stahl“ bedient, eines konservativen preußischen Juristen und konvertierten Juden, den Carl Schmitt fast allein für alle Fehlentwicklungen der Staatslehre in Deutschland verantwortlich zu machen suchte. Am 29. April 1931 erschien „Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus“.47 Im Jahr darauf „Judas Ischariot und die preußischen Konservativen.48 Zum Auftreten der politischen Diabolik“. Die Akteure in Berlin und Ostpreußen durften also gewarnt sein, welche Zukunft hier auf dem Spiel stand.

Sowohl für Eugen Rosenstock-Huessy wie für seine Studenten war als Zeichen des Widerstands der Einsatz des eigenen Lebens an sich entscheidend, nicht einmal die Tat des Tyrannenmords selbst. Deshalb geht an ihnen die Kritik vorbei, wie sie etwa den Offizieren gegenüber geäußert worden ist:
Sicher, er hat sich Hitler widersetzt, aber – und das gilt auch für die anderen revoltierenden Offiziere – nicht wegen der Massaker an den Juden oder wegen der Exekutionen von Kriegsgefangenen in Deutschland und in den besetzten Ländern im Osten. Die Verschwörung nahm erst Gestalt an, als die Möglichkeit eines militärischen Desasters – als Folge strategischer Fehler Hitlers – zur Gewißheit geworden war. Als ich vom Mißlingen der Verschwörung erfuhr, war ich weniger erstaunt darüber, dass es eine solche gegeben hatte, als darüber, daß diese ausgezeichneten Offiziere den elementaren Grundsatz jeder Machtübernahme – den schon jüngste Offizier meiner Dienststelle sich einprägen mußte – nicht beachtet hatten, nämlich die Notwendigkeit, sich zuallererst der Kommunikations- und Propagandaorgane zu bemächtigen.49

Sven Bergmann

aus dem Mitteilungen 2026-08

  1. Eugen Rosenstock-Huessy, Die Namen Gottes, in: ders., Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik in vier Teilen, 1. Bd., Heidelberg: Verlag Lambert Schneider 1963, S.153. ↩

  2. Ebda., S.152. Inzwischen hat sich diese Bilanz immerhin aufgehellt. ↩

  3. Lisa van der Molen, een raamvertelling waarin wij participeren, in: Eugen Rosenstock-Huessy zum hundertsten Geburtstag, hrsg.v. Bas Leenman, Lise van der Molen und Eckart Wilkens (= Jahrbuch der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft; stimmstein 3), Mössingen-Talheim: Talheimer Verlag 1990, S.127. ↩

  4. Eugen Rosenstock-Huessy, Die Götter des Landes und der Götze Raum, in: ders., Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik in vier Teilen, 1. Bd., Heidelberg: Verlag Lambert Schneider 1963, S.191. ↩

  5. Gerhard Leibholz stammte aus einer jüdischen Familie und war von Hans von Dohnanyi getauft und konfirmiert worden. Der umfangreiche Briefwechsel ist inzwischen im Literaturarchiv Marbach zugänglich, aber bisher noch nicht erschlossen. ↩

  6. Eugens Lebensfreund Franz Rosenzweig führte die Persiflage der beiden Namen gelegentlich an. Hinzuzufügen wären noch diverse „Helfferiche“. ↩

  7. Eugen Rosenstock-Huessy, „Der Verrat im 20. Jahrhundert“, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.67. ↩

  8. Zum „Dreierbund“ Trothas, Einsiedels und von Ballerstedts vgl.: Rudolf Hermeier, Kurt Ballerstedt. Worte des Gedenkens, in: Mitteilungen der Eugen Rosenstock-Huessy-Gesellschaft, 27. Folge (1978), S.1-17. Vgl.: Michael Balfour; Julian Frisby; Freya von Moltke, Helmuth James von Moltke. 1907-1945, Berlin: Karl H. Henssel Verlag 1984, S.35. ↩

  9. Andreas Schreck, Eugen-Rosenstock-Huessy und Kreisauer Kreis – zur Vorgeschichte der „Erzvaterschaft“, in: Die Suche nach einem menschlichen Recht. Helmuth James von Moltke 1907-2007 (= Mitteilungsblätter 2007, Eugen-Rosenstock-Huessy-Gesellschaft) (= Stimmstein 12), Körle: Argo Books 2007, S.27-42; vgl.: Hans Thieme, Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973), in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, 106. Bd. (1989), S.6. ↩

  10. Die Betrachtung der Lebenswege von Eugen Rosenstock-Huessy und Carl Schmitt zeigt verblüffende Parallelen bei fundamental entgegenstehender Beurteilung der Zeitläufe, bei der das gemeinsame Geburtsjahr 1888 nur eine Äußerlichkeit bildet. ↩

  11. Eugen Rosenstock-Huessy, Sprache und Geschichte, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.87. ↩

  12. Vgl.: Gottfried Hofmann, Eugen Rosenstock-Huessy. Versuch einer Chronik seines Lebens, korrigierte und ergänzte Fassung, Münster: Agenda Verlag 2014. ↩

  13. Eine gemeinsame Freundin beider Frauen aus Berliner Vorkriegszeit ist Dorothy Thompson, die am 1. Oktober 1957 Gast in Four Wells ist. ↩

  14. Margret Boveri, Der Verrat im 20. Jahrhundert (Einbändige Gesamtausgabe), Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 1976, S.199. Die Bedeutung dieses Werks zeigt sich daran, daß noch nach zwanzig Jahren eine einbändige Gesamtausgabe erscheint, mit einem Geleitwort von Bundespräsident Gustav W. Heinemann und einer Einleitung von Hellmut Becker. ↩

  15. Eugen Rosenstock an Margret Boveri, 1.10.1956. Boveris Biographin verweist auf die Distanz zwischen dem Emigranten und der in Deutschland verbliebenen Konservativen: Heike B. Görtemaker, Ein deutsches Leben. Die Geschichte der Margret Boveri, München: C.H. Beck 2005, S.284. ↩

  16. Margret Boveri, Der Verrat im 20. Jahrhundert (Einbändige Gesamtausgabe), Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 1976, S.199. ↩

  17. „Der Verrat im 20. Jahrhundert“, in: Die Gegenwart, 11.Jg., Nr.22 (1956, 3.Nov.), S.697-700; Eugen Rosenstock-Huessy, „Der Verrat im 20. Jahrhundert“, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.64-69; Eugen Rosenstock-Huessy, Aberglaube, Religion, Häresie. Der Verrat im 20. Jahrhundert (= Mitteilungsblätter 2004, Eugen-Rosenstock-Huessy-Gesellschaft; stimmstein 9), Körle: Argo Books 2004. ↩

  18. Eugen Rosenstock-Huessy, „Der Verrat im 20. Jahrhundert“, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.68. ↩

  19. Ebda., S.64. ↩

  20. Ebda., S.64. ↩

  21. Brief an Maria Ehrenberg, 12.6.1947, in: Eugen Rosenstock-Huessy, Wissenschaft, Aberglaube, Erziehung und Die drei Stockwerke der Universität, hrsg.v. Michael Gormann-Thelen, Andreas Möckel, Lise van der Molen und Eckart Wilkens (= Jahrbuch der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft, stimmstein 5), Mössigen-Talheim: Talheimer Verlag 2000, S.54. ↩

  22. Eugen Rosenstock-Huessy, „Der Verrat im 20. Jahrhundert“, S.69. ↩

  23. Margret Boveri an Freya von Moltke, 5.10.1956. ↩

  24. Margret Boveri, Für und gegen die Nation – das sichtbare Geschehen (= Der Verrat im 20. Jahrhundert; Bd.1), 3.Aufl., Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 1956, S.4. ↩

  25. Eugen Rosenstock-Huessy, „Der Verrat im 20. Jahrhundert“, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.69. ↩

  26. Vgl.: Dorothy Thompson, Das Ende der Demokratie. Reportagen aus Deutschland 1931-1932, Wien: DVB Verlag 2025; dies., Der Anfang der Diktatur. Reportagen aus Deutschland 1933-1934, Wien: DVB Verlag 2026; dies., „Ich traf Hitler!“, Wien: DVB Verlag 2023. ↩

  27. Rainer Volk, „Ein ziemlich starkes Stück“. Klaus Harpprechts ungedruckter Essay zum 25. Jahrestag des 20. Juli 1944, in: VfZ 72, H.3 (2024), S.631. ↩

  28. Eugen Rosenstock, (psnym: L. Stahl), Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus, in: Hochland 28. Jg. (Juni 1931), S.193-211. Wiederabdruck: Eugen Rosenstock-Huessy, Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus, in: Tumult No.20, hrsg.v. Frank Böckelmann, Dietmar Kamper, Walter Seitter, Wien: Verlag Turia & Kant 1995 S.16. ↩

  29. Statt vieler: Ludolf Herbst, Hitlers Charisma. Die Erfindung eines deutschen Messias, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2010. ↩

  30. Eugen Rosenstock, Lehrer oder Führer? Zur Polychronie des Menschen, in: Die Kreatur, 1. Jg. H.1 (1926/1927), S.67. ↩

  31. Eugen Rosenstock, Die rückwärts gelebte Zeit. Unsere Erfahrungen von 1918 bis 1928, in: Die Kreatur, 3. Jg. H.1 (1929/1930), S.113. ↩

  32. Eugen Rosenstock, Lehrer oder Führer? Zur Polychronie des Menschen, in: Die Kreatur, 1. Jg. H.1 (1926/1927), S.53. ↩

  33. Eugen Rosenstock, Die Polychronie des Volks, in: Die Kreatur, 1. Jg. H.4 (1926/1927), S.412. ↩

  34. Ebda., S.180. ↩

  35. Eugen Rosenstock, Kirche und Arbeit. Eine Rede, in: Die Kreatur, 2. Jg. H.2 (1927/1928), S.180. ↩

  36. Eugen Rosenstock-Huessy, Lehrer oder Führer, in: ders., Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik in vier Teilen, 2. Bd., Heidelberg: Verlag Lambert Schneider 1964, S.175ff. ↩

  37. Tim Pröse, Wir Kinder des 20. Juli. Gegen das Vergessen: Die Töchter und Söhne des Widerstands gegen Hitler erzählen ihre Geschichte, München: Wilhelm Heyne Verlag 2024, S.216. Pröse bringt die verschiedenen Generationsperspektiven auf den Widerstand in einem Werk eindrucksvoll zur Sprache. ↩

  38. Hans Rothfels, Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung, rev. Neuaufl., Frankfurt a.M.; Hamburg: Fischer Bücherei 1960, S.58. ↩

  39. Gerhard Ritter, Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung, 4. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984; vgl.: Sabine Gillmann, Hans Mommsen (Hrsg.): Politische Schriften und Briefe Carl Friedrich Goerdelers. K.G. Saur., München 2003. ↩

  40. Eugen Rosenstock-Huessy, Das Geheimnis der Universität, in: ders., Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957, hrsg.v. Georg Müller, Stuttgart: W.Kohlhammer Verlag 1958, S.29. ↩

  41. Eugen Rosenstock-Huessy, „Es regnet“ oder Die Sprache steht auf dem Kopf, in: ders., Die Sprache des Menschengeschlechts. Eine leibhaftige Grammatik in vier Teilen, 1.Bd., Heidelberg: Verlag Lambert Schneider 1963, S.62. ↩

  42. Max Weber, Deutschlands künftige Staatsform <1919>, in: Max Weber, Zur Neuordnung Deutschlands. Schriften und Reden 1918-1920, hrsg. von Wolfgang J. Mommsen (= MWG I/16), Tübingen: J.C.B.Mohr(Paul Siebeck) 1988, S.107. Allein dieses Zitat zeigt die Absurdität, Max Weber nach 1918 in Distanz zur Demokratie zu sehen. Ausdrücklich bekennt er sich außerdem zur Gleichheit der Stimmen und lehnt jegliche Form einer qualitativen Gewichtung ab. ↩

  43. Zitiert bei: Volker Ullrich, Helmuth James von Moltke oder: Wie man den Mut zum Widerstand findet, München: C.H. Beck 2026, S.282. ↩

  44. Rainer Volk, „Ein ziemlich starkes Stück“. Klaus Harpprechts ungedruckter Essay zum 25. Jahrestag des 20. Juli 1944, in: VfZ 72, H.3 (2024), S.591-637. ↩

  45. Der 20. Juli 1944. Reden zu einem Tag der deutschen Geschichte, hrsg.v. Informationszentrum Berlin, Berlin: Wissenschaftlicher Autoren-Verlag 1984. ↩

  46. Max Weber, Diskussionsbeitrag, in: Die Verhandlungen des achten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten am 10. und 11. Juni 1897 zu Leipzig, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1897, S.111. ↩

  47. Eugen Rosenstock (psnym: L. Stahl), Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus, in: Hochland 28. Jg. (Juni 1931), S.193-211. Der Aufsatz hat eine Welle von Fehldeutungen ausgelöst: Der junge Georg Picht hat aus dem mündlich in seinem Elternhaus vorgetragenen Aufsatz Sympathie für den Nationalsozialismus herauslesen wollen und damit den Mahner zum Propagandisten gestempelt: Georg Picht, Die Macht des Denkens, in: Erinnerung an Martin Heidegger, hrsg.v. Günther Neske, Pfullingen: Verlag Günther Neske 1977, S.197-205; dieses Fehlurteil hat Rüdiger Safranski in seiner Heidegger Biographie ungeprüft übernommen: ders., Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit München: Hanser Verlag 1994, S.271. ↩

  48. Eugen Rosenstock, Judas Ischariot und die preußischen Konservativen. Zum Auftreten der politischen Diabolik, in: Hochland 29. Jg. (April 1932), S.1-16. Beide Aufsätze abgedruckt in: Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy (1888-1973), Tumult No.20, hrsg.v. Frank Böckelmann, Dietmar Kamper, Walter Seitter, Wien: Verlag Turia & Kant 1995. ↩

  49. Raymond Klibansky, Erinnerung an ein Jahrhundert. Gespräche mit Georges Leroux, Frankfurt a.M.; Leipzig: Insel Verlag 2001, S.71ff. ↩