Otto Kroesen: Russische Revolution und Weltrevolution oder: Woraus besteht die Weltrevolution eigentlich?
Die Zitate aus Rosenstock-Huessys Werk sollen zwei Fragen beleuchten:
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Worin unterscheidet sich die tatsächliche Weltrevolution von der Russischen Revolution? Schließlich hatte die Russische Revolution den Anspruch, die Weltrevolution zu sein.
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Woraus besteht die tatsächliche Weltrevolution, die noch immer andauert und in der wir uns befinden? Welche Aufgabe liegt vor uns?
1. Die tatsächliche Weltrevolution
Die tatsächliche Weltrevolution ist zwar auch in der Russischen Revolution wirksam, doch die Russische Revolution ist nur ein Teil dieses Geschehens. Es gibt zwei Interpretationsmöglichkeiten für dieses Ereignis.
Die Europäischen Revolutionen, 1931, 483
Das Teilereignis des Weltkriegs, das den Untergang der bürgerlichen Gesellschaft signalisiert, ist der Anfang der neuen Zeit.
Von hier aus ergibt sich, dass für die Eintritt der Revolution in Permanenz Lenin und Stalin weniger bedeuten als der Weltkrieg. Die Revolution muss überall da wirksam werden, wo ihre ökonomischen Voraussetzungen, die Unfähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft und der nationalen Regierungen der Völker offenbar wird.
Zwei Wege tun sich von hier auf, um die Weltrevolution zu erfassen, als die sich der Weltkrieg darstellt: der eine Weg betont an dem Drama den auf die kriegerischen Ouvertüre folgenden bewussten Einsatz der Bolschewisten in Russland. Er führt über den BrestLitowsker Frieden und den dreijährigen Bürgerkrieg zu den ökonomischen Phasen der russischen Wirtschaftspolitik. Dies ist die bolschewistische Revolution. Der nächste Abschnitt behandelt ihren Weg. Auf dem zweiten Weg nimmt man den Krieg der europäischen Völker ernster und wertet sein Ereignis als ökonomischer Revolution aus. Es zweigen also an dieser Stelle zwei Wege der Weltrevolution ab. Der eine führt in das Reich der marxistischen Ideologie, der andere in die ideenlose Welt, die der Weltkrieg übrig lässt. Beide sind Wege der Revolution, einer Revolution, die da ist und noch nicht zu Ende ist.
2. Der Preis der bolschewistischen Revolution.
Stalin preist die Mechanisierung in den höchsten Tönen. Alle profitieren. Doch diese Mechanisierung der Arbeit hat ihren Preis. Der Erfolg des öffentlichen Dienstes wird mit Unsicherheit an jedem einzelnen Arbeitsplatz erkauft. Dies trifft natürlich auf die russische Gesellschaft zu, ist aber zu einem globalen Phänomen geworden.
Die Europäischen Revolutionen, 1931, 488
Und Stalin schrieb triumphierend am 7. November 1929: „Wir marschieren mit Volldampf zur Industrialisierung, zum Sozialismus und lassen die jahrhundertealte „russische“ Rückständigkeit hinter uns. Wir werden ein Metallland, ein Land der Automobilisierung, der Traktoren, und wenn erst einmal die Sowjetunion das Automobil und unser Bauer den Traktor besteigt, dann mögen die hochgeehrten Kapitalisten, die sich ihrer Zivilisation rühmen, versuchen, uns einzuholen. Dann werden wir sehen welche Länder zu den rückständigen und welche zu den fortgeschrittenen gezählt werden können.“
Das sind Fanfaren, die zum Angriff schmettern. Die hinausgeschmetterten Zahlen ändern sich naturgemäß fortwährend. Zum Beispiel ist die Kolchosenbewegung, die Kollektivierung bereits zum Zeil rückgängig gemacht worden. Die bleibende Bedeutung der Zahlbilder liegt in der Fantasie, aus der sie stammen. Alle menschliche Ordnungen sind hier in Diagrammen von Bedürfnissen und Wirtschaftsgütern ausgedrückt, die sich in ständiger Bewegung befinden.
Diese Gesellschaft ist so außer sich, dass sie auf ihre eigenen Bedürfnisse von oben herab blickt und sich ihre Wünsche im Diesseits freimütig eingesteht. Während der Citoyen im geheimen sein Privateigentum aufhäuft, öffentlich aber als Soldat der Ideen von 1789 marschiert, ist der Eigennutz sozialisiert: alle gemeinsam sollen reich werden! Die Habgier ist publik.
Privat ist das Opfer. Aber diese Opfer werden täglich gebracht. In der Arbeit ist ja täglich Revolution. Und so muss hier jeder „wendig“ bleiben. Keiner hat ein Recht auf einen Arbeitsplatz.
3. Institutionen und/oder Menschen
Es ist offensichtlich, dass das neue Gesellschaftssystem der totalen Mobilisierung für die Produktion nur auf Kosten persönlicher Opfer bestehen kann. Dies rückt die inneren Qualitäten der Menschen selbst in den Vordergrund, die nun der sich ständig wandelnden globalen Wirtschaft Widerstand leisten müssen. Institutionen bieten keinen Schutz; dies muss die umfassendere Ausrichtung der Menschen tun. Welche Ressourcen stehen den Menschen dazu zur Verfügung? Europa sollte nicht auf die von ihm geschaffene Ordnung blicken, sondern auf die Menschen, die es hervorgebracht hat. (Man könnte auch argumentieren, dass neue Institutionen entwickelt werden müssen. Vielleicht ist dies in gewissem Maße bereits im Gange, doch globale Probleme erfordern auch globale Regulierung. Das ist nicht einfach, und dazu bedarf es der inneren Stärke der Menschen.)
Die Europäischen Revolutionen, 1931, 504
Notwendig wäre die Rückkehr der Europäer. Nur in dieser Heimkehr könnten sie miteinander leben. Nur in der Wiederherstellung der Gesamttradition könnten sie sich nach außen behaupten. Nur in der Heilung ihrer Auswüchse könnten sie verhindern, dass die Kinder ihres Landes zu Karikaturen einer erstarrten, veralteten Menschenart heranwachsen. Nur in diesem wundersamen Austausch ihrer bisherigen Arbeitsteilung, den wir heut sich anbahnen sehen, könnten sie der übrigen Welt den vollen Reichtum der europäischen Völkerfamilie überantworten.
Kein Europäer kann als bloßes Glied seiner Nation allein die volle menschliche Gebärde und das „schön menschliche Antlitz“ bewahren. Denn die Völker sind sich gegenseitig durchschaubar geworden. Sie ahnen, dass sie nur zusammen den „Menschen“ hervorgebracht haben. Das führt zu einem Aufbruch in die Bereiche der anderen Völker. Denn nach dem schönen Wort von Clausewitz „tut jedes Volk wohl daran sich alles zuzutrauen, was die menschliche Natur großes vermag“. Alle Glieder des Einzelvolkes brauchen daher beides, Nationalerbe und Weltluft, um nicht zu verkümmern. Die Revolutionen, alle nacheinander und gegeneinander entsprungen, leben alle heut gleichzeitig in den großen Nationen. Zu vollem Maß des Menschentum bedarf es daher einer weiteren Zucht durch mehr als eine Volksart. Aber dieser Zucht kann nicht in einer wahllosen Vermischung und Preisgabe bestehen. Sondern sie muss in herben Schranken verschiedener Stufen durchschritten werden. Die Erziehung des Europäers im restaurierten Europa wird mithin ein gemeinsames Anliegen aller europäischen Völker! Deshalb ist heut Erziehung die große Losung Europas. Unser Buch legt den Grund zur dieser Losung klar.
Ein menschlicher Nachwuchs, der in Auge und Gestalt, in Gebärde und Wort der Ahnen einmal geschehenen Offenbarung der Urkräfte der europäischen Völkerfamilie nicht fruchtlos verrinnen lässt, sondern dieses Vollmaß des Menschenmenschen aufträgt den neuen Völkern der anderen Erdteile und den bloßen Naturen, den Menschenfüchsen, Menschenwölfen, Menschenhunden – er muss hervorgehen aus dem gemeinsamen Schweigen der Besiegten. Ideen, Programme, Revolutionen – das gemeinsam besiegte Europa ist ihnen entrückt. In seinen Menschen liegt seine letzte Bewährung. Mit seinen Menschen kann es seinen eigenen Geist und den Erdentag seiner Herrschaft über die Welt überleben. Durch seine Menschen allein rechtfertigt es sich vor dem Übermut der neuen Welten.
4. Konflikt ist besser
Rosenstock-Huessy prägte auch den Satz, dass Konflikt besser sei als Gleichgültigkeit. Denn im letzteren Fall wüssten wir nichts voneinander. Im Konflikt suchen wir die Nähe zueinander, und so wird der Konflikt zu einer Phase auf dem Weg zu einem tieferen Frieden. Er ist weder schön noch harmonisch, aber immerhin.
Die Europäischen Revolutionen, 1931, 622
Da, wo wir uns bekämpften und befehdeten, wo die Geschütze wütend herüber und hinüber donnerten, und jeder einzelne ums Leben sprang, lief, sich niederwarf, und wieder aufsprang, vordrang, fiel, wuchs eine Ahnung, dass wir zusammenbleiben müssten, ja dass wir selbst wider Willen bereits Zusammenhängen und Abhängen voneinander.
Damit wurde der Weltkrieg zum Bürgerkrieg. Zum Bürgerkrieg aufeinander angewiesener, zusammengehöriger Nationen. Bürgerkrieg aber ist Revolution.
5. Die Bolschewisten
Kehren wir kurz zu den Bolschewiki zurück. Hier entsteht die Revolution nicht aus schmerzhaften Erfahrungen und Konflikten, sondern wird intellektuell im Voraus konzipiert. Alles, was voreilig konzipiert wird, bleibt jedoch wirkungslos.
Die Europäischen Revolutionen, 1931, 527
Es gab 1905 schon Revolutionäre, aber zur Revolution reichte sogar der Kriegsverlust nicht aus. Die gedankliche Verfrühung ist seitdem das Los des Bolschewismus. Diese „Verfrühung aus Bewusstheit“ ist ein Merkmal, dessen man eingedenk bleiben muss um der russischen Revolution gegenüber standzuhalten. Denn die „Verfrühung“ allein bleibt unwirksam. Der Revolutionsvollzug bleibt abhängig von der Reife der Welt. Die Revolutionäre wollten die Umwälzung „machen“. Sie haben es nicht gekonnt. Das Bewusstsein steht neben der Wirklichkeit. Statt seiner hat der Weltkrieg die Revolution gemacht. Er ist die Weltrevolution!
Der folgende Kommentar unterstreicht das zuvor Gesagte nochmals. Alles, was man sich ausgedacht hat, bleibt als Gedanke wirkungslos. Irgendwann waren die Umstände günstig.
Out of revolution 1938, 95
… It already takes the Great war as the first phase of the Russian Revolution. For the War was the most important part of the Russian Revolution. The 150 million inhabitants of the “exploited colony of capitalism” could not be reached in peacetime. Mobilization of the Army and concentration at the front was the only way of getting them under control.
6. Die Linksradikalen
Im folgenden Zitat wird ungefähr dasselbe wie in früheren Zitaten gesagt. Allerdings nun in anderen Termen. Jede Revolution ihre eigenen Radikalen die bereits die folgende Revolution vorbereiten. Denke dabei an die Wiedertäufer während der Reformation in Deutschland oder an die Levellers in der englische Revolution. Auf diese Weise können auch die Bolschewiken gesehen werden.
Europäischen Revolutionen, 1951, 76
In der russischen Revolution ist vielleicht die „Linksopposition“ (im tieferen Sinne des Wortes) sofort an die Macht gelangt. Der Grund liegt wohl darin, dass die gesamte russische Revolution nur die linke Flügel der Weltkriegsrevolution ist. Wie kann das noch Linksopposition haben, was als Ganzes die Linksopposition bildet? Die russische Revolution ist ein Teilvorgang. Wir dürfen nicht zugunsten des Selbstbewusstseins der Bolschewiki von der wahren Revolution absehen. Sie sind eben nur die Antithese innerhalb der planetarischen Revolution der Weltkriege.
7. Planung der Ökonomie
Weil alle Staaten zwischen de den zwei Weldkriegen mit ökonomischer Planung begonnen sein und weil der internationale wirtschaftliche Wettbewerb seinen Gang geht, arbeiten wir alle an einer straffen Organisation der wirtschaftlichen Produktion. Mobilisierung der ganzen Gesellschaft nennt Rosenstock-Huessy das.
Die Europäischen Revolutionen, 1951, 514
Die zivile Ökonomie des Liberalismus ist durch die totale Mobilmachung ersetzt. An dieser Leistung aber beteiligen sich alle Teilnehmer der Weltkriege. Die Übertragung der Intendanturmethoden auf die Gesamtwirtschaft hat die Welt ergriffen. Die Russen haben diese Vererbung militärischer Methoden radikaler angepackt. Aber sie sind doch nur ein Flügel der Weltrevolution, die uns alle ohne Ausnahme ergreift. Die russische Revolution ist eben nicht selber die Weltrevolution. Wie könnte sie das auch sein? In der französischen Ära 1789-1917, da allerdings macht jede Nation die Revolution. In einer echten Weltumwälzung aber geht die Geschichte über alles bloß nationale Denken zur Tagesordnung über. Das Selbstbewusstsein keiner einzigen Nation ist dem, was sich abspielt, gewachsen. Die Lenker der nationalen Geschichte können uns nur ablenken von dem, was die Weltrevolution verlangt. Die von den russischen Sowjets geplante Weltrevolution ist also ein Bruchteil der durch die Weltkriege in Lauf gesetzten Weltrevolution. Im Marshallplan gab die übrige Welt Zeichen, dass sie ihre nationalen, „französischen“ Ketten zu zerbrechen begann. Im Jahre 1950 gab Stalin uns zu verstehen dass er vor der Erblosigkeit seiner Klassenkämpfer erschrocken ist. Wie könnte das anders sein? Wo der Dank nicht herrscht, da regiert der Undank. Wo ist denn Platz für das rechte Verhältnis der Generationen, wenn doch drei Generationen Russen gegen ihre Väter rebelliert haben? Dies ist die Frage aller Fragen an die heutige Welt. Es ist die Frage an Europa, an die vereinigten Staaten, China, an Japan, an Indien, wie es Erbformen in einer entformten Gesellschaft geben kann.
8. Russland und Amerika
Ein Vergleich zwischen Russland und Amerika, der noch immer nachwirkt:
Die Europäischen Revolutionen, 1951, 515
Die Pioniere sind ahnenlos, self-made. Wie eine Tochter steuert der Amerikaner sein Land aus. Für das geben der Mitgift an eine Tochter und das dotieren einer Stiftung gebraucht er dasselbe Zeitwort. Töchterlichkeit ist Amerikas ideal. Das ist sein Anliegen. Es ist ungelöst. Aber es zielt auf Zusammenhänge, auf die sich weder Bürger noch Arbeiter verstehen.
Wie das kommen der Revolution den Russen aus Europa die Revolution bringt, so teilt den Amerikanern der Siegeszug der europäischen Musik mit, was Amerika braucht: Rhythmus, Grazie, Klang und Farbe. In UdSSR aber liegt es genau umgekehrt. Ungeheure Musikalität und Instinktsicherheit ist da aufgespeichert. Deshalb wohl ist der revolutionäre Geisteszustand auf lange hinaus als Gegenkraft erträglich.
9. Über die Weltkriege zu seinen Studenten
Im Folgenden sehen wir, wie Rosenstock-Huessy seinen Studenten die Lehren aus den beiden Weltkriegen vermittelt. Die Erkenntnisse sind dieselben, aber er passt sie ihrem Niveau und ihrer Denkweise an.
Universal history – 1949, lecture 2, 4-20, 21
A very exciting story is this, gentlemen. I firmly believe that the intellect has run away with the Marxians, and that anybody who lives out of the intellect is – always remains sterile. – Marxism is a thought-out revolutionary theory, and therefore it will – bear no fruit. The – world revolution in which we are is a very real revolution. It consists of two world wars, from 1914 to 1918. And from 1939–as you already have forgotten–and 1945. And these two world wars, gentlemen, have run off technically, much quicker than psychologically and morally. In other words, gentlemen, nine years of warfare–or 10 years of warfare, you see–have to be lived out by two generations, which makes 60 years. And you can’t hasten this process, because you and I are slow people. The whole difference, gentlemen, between the 19th century and the 20th century then to me consists in a revolution of the French, with telegraph and quickening the understanding of the people in one nation. And in the 20th century, we learn that one war uses up a whole generation before it is really digested. And two wars, probably – will last for the next hundred years, before the mind has worked out the problems posed by the wars. Or take it down this way: the last world revolution consists in two world wars. And the Russian revolution is a very minor event inside of these struggles. Can you see what I mean?
Very important. And that’s not a bon mot – witticism of mine. You can note that I have banked on this insight. My life of the last 30 years, my – all my books on revolution are based on this assumption: that this time the war itself is the revolution. Can you understand this? And the intentionally made revolution is child’s play compared to that.
If you see what happens in this country at this moment because we have gone to war, the bureaucracy taking over the Air Force entrenched, the corporations running – establishments of – of multi-dimension buildings which nobody anymore can understand, you know that the war has revolutionized our economy, and not the Communist Party, Sir. {We’d never win}. But we are in a revolution. Your prospects, and your { }, they are completely changed to what they have been 20 years ago. Why is this a revolution? And – because it’s a – brought on by violence. It’s brought on by the violence, conversion of a civil war of mankind. That is a revolution. Revolution, gentlemen, is civil war. These last two world wars, because they were world wars, were civil war. You cannot understand the last two world wars, because they were not { }. And the one world is brought on by this very fact that there were already two world wars. Now when a whole world is at war, the only peace you can make is for the world. Well, a peace for the world means one world. Doesn’t mean one-world government, gentlemen, but it means the state of peace is in this one world.
Now what am I trying to say today, gentlemen? The last faction I have still to fill out. The people attacked allegedly in this revolution in Russian terms are the capitalists, and the party who fights them – are the Communists. That is what they would say, so we would have to put “Communists” here, “versus capitalists.” Now I am afraid that the real revolution looks a little defferent – different. As far as I can see, it is “planetary man versus national man.” And I recommend to you to read up on this, my pamphlet, which is on sta- – in the stacks – which is it? { } “Planetary Man.”
10. Liebe und Fruchtbarkeit
Wo Rosenstock-Huessy zuvor das Erbe der europäischen Nationalstaaten als Gegengewicht zur menschlichen Mechanisierung anführte, appelliert er hier an die menschliche Fruchtbarkeit durch Liebe, an die Kreativität durch Hingabe. Nicht alles, was man planen kann, entspringt der Liebe.
Universal history – 1949, lecture 6, 19 - 20
So gentlemen, fruitfulness is the criterion of love. And therefore I propose, gentlemen, that the aim of the third millennium is just this. If you wish to overcome mere technical progress and its consequential re-arrangement of nomads into disintegrated particles, you have to try to make them bear fruit through love. Now the simplest word for this would be “reincarnation.” Because when you ever – if you really bear fruit, you do produce something, you see, by which you are – reincarnate, by which your own inspired love bears fruit. So for my private purposes, I include the word “reincarnation” at the front of this third Cross of Reality. And the great ambition of the next millennium will be: to have any offspring in your own image, to have – to have your love bear any fruit.
Today, it is sterile. Birth control, et cetera, nothing bears – has progeny. And there may be other terms, however. At the beginning of a period, one must never try to give the definite name to it. I use the word “reincarnation,” so to speak, to challenge you on what really is the problem of the next millennium.
Revolution. The world revolution is the last revolution, I am quite sure. Just as the conversion of the Swedes and – and Icelanders was the last great mission in the West; then they have all been converted. We are not interested, I think, in missions and revolutions, because your problem is, gentlemen, to get man out of his nihilism, where he says, “Nothing is of any avail, nothing matters; I don’t care,” you see, into the intensity of feeling that it matters that life should go on, that it – life should come true again into the world, man should come into the world again. And that’s meant by the word “reincarnation.”
The word “reincarnation” is therefore for me important, because it makes clear that man is not a part of the world. If you say, “renaissance,” then you have – man is a part of the world. He’s just natural. He’s born. If you say, “reincarnate,” or “reincarnates,” it means that the world of time and space to him is only an occasion in which his love ta- – can take place and be declared, that he creates new spaces and new times, that he is not of this world, but man is God. Man is God wherever he is free of li- – space and time. And that is in the word “reincarnation” I – I had {which} – implied in the term: you can only reincarnate a – something {reincarnated} – which is not, you see, in itself in the flesh, but has – comes into the flesh. {Achieved} by it, and expressed by it, and embodied.
“Embodiment” would be another word, you see, which would say – make sure that man is more than his embodiment, than any one of his embodiments, any one of his nominations, you see, but through them, he takes place, and is declared, and comes true.
11. Die Revolution der Weltkriege
Die Weltkriege bilden zusammen ein revolutionäres Ereignis. Sie sind untrennbar miteinander verbunden. Veränderung braucht Zeit. Ein Beispiel: Nach dem Ersten Weltkrieg stellte die niederländische Regierung Belgien eine saftige Rechnung für die Aufnahme von rund zwei Millionen belgischen Flüchtlingen in den Niederlanden. Große Teile Belgiens waren zerstört, und trotzdem eine Rechnung! Würden wir das heute noch einmal tun?
Universal history 1967, Lecture 14, 19
Obviously the world wars are one great revolution. I’ve written such a book on this; and it must be true. Therefore, it’s one event, from 1914 to 1945. To cut it into two events is ridiculous. And since it is one event, the various actors in this one event, you see, can only have partial roles.
12. Mutter und Tochter
Noch einmal eine Zusammenfassung dessen, was Rosenstock-Huessy als die durch die Weltkriege bewirkte Transformation ansieht. Das stumme Feld freier sozialer Kräfte ist die Tochter, der von ihrer Mutter, der Kirche, eine Vergangenheit präsentiert wird, durch die sie allein den Weg in die Zukunft finden kann.
Comparative religion 1954, Lecture 7, 2-3
To me, the years 1905 to 1945, this last period of human history, are of great simplicity and grandeur. A powerful hand has lifted up the particles of the human race and now puts them down again under a new horizon of existence. We see this horizon as dimly as the eastern sky one hour before sunrise; yet it determines already the lives and livelihood of all of us, despite our nation or denomination. Granted that twelve generations or so lived happily within “Church” and “State” (the very word “State” is not older than 1500) and got their orientation from these two sources of light; this no is longer true. We are unemployed, impoverished, inflated, killed, moved around, in nations great and small, in Churches free and orthodox, because of a new “within.” Against this new “within,” the millions find little protection, either within their nation, or within their Church. Global economic cooperation is the new “within.” Neither the New Deal nor the GOP nor Hitler nor Stalin can guarantee prosperity because the globe is not governed by any one statesman. The Great Society, this speechless giant of the future, does not speak English (neither does it speak Russian). And it is this Great Society which claims all of us who have to make a living, as her material, her victims, her assets or liabilities in terms of capital and labor.
The two world wars were the form of world revolution in which this new future reached into everybody’s life; the nationalist and the communist ideologies with their dreams of revolution were checkmated and are mere foam around the real transformation. The real transformation was made by the wars and it made the Great Society final. She is the heiress of State and Church.
Now, as I said before, it has been the strangeness of my life that I always believe in this powerful hand, which called the new Giant into being and placed us all within the new horizon. I always considered the wars more decisive than the party slogans, but I was not at all impressed by the Great Society as though it were the Good Society. I concentrated on the inevitable conflict between this daughter “Society” and the mother “Church,” between toiling and speaking man, between daily bread and Pentecost. I accepted the general division of labor in the new universe. But I believed that it was void of any consecration in any of its particulars.
Ursprünglich veröffentlicht auf Niederländisch