Lebensbilder
Eugen Rosenstock-Huessy: eine autobiographische Notiz Drucken E-Mail

eugen rosenstock-huessy, um1960

 

 

 

"Der Atheist wünschte, ich sollte in die Theologie verschwinden.


Die Theologen meinten, ich sei wohl ein Soziologe,


die Soziologen murmelten: wahrscheinlich ein Historiker.

Die Historiker waren darob entsetzt und riefen: ein Journalist.


Aber die Journalisten verdammten mich als Metaphysiker.


Die Metaphysiker ihrerseits hielten Wache am Tor der Philosophie und fragten bei den Staatswissenschaftlern meinetwegen an.


Die Juristen sind ja schon im Mittelalter als schlechte Christen bekannt gewesen,

und so wünschten sie mich in die Hölle.


Damit konnte ich mich schließlich einverstanden erklären,

denn als Mitglied der gegenwärtigen Gesellschaft

kommt unsereiner aus der Hölle ja nur für Augenblicke heraus."


weitere Zitate

 

Leben, Lehre, Wirken von Eugen Rosenstock-Huessy

 

 

 

 
Otto Kroesen: Eugen Rosenstock-Huessy - Bereiche seines Denkens Drucken E-Mail

 

1888 geboren, gehört Rosenstock-Huessy zur Generation, die bei vollem Bewußtsein die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges durchlebt hat. Er hat diesen Krieg nicht nur interpretiert als eine Krise der europäischen Nationalstaaten, sondern noch mehr als eine Krise des objektivierenden wissenschaftlichen Denkens.

 

Die Wissenschaften hatten nicht nur die Natur, sondern auch den Menschen vergegenständlicht. Der Vergegenständlichung auf dem Schlachtfeld entspricht die Objektivierung und Verzerrung lebendiger Menschlichkeit in den Analysen der Wissenschaft. Es ist das Lebenswerk Rosenstock-Huessys gewesen, nicht nur einzelne Methoden innerhalb der Wissenschaften zu ändern, sondern den ganzen Rahmen der Wissenschaften mit einem neuen Paradigma zu versehen.

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Eckart Wilkens: Wer ist Eugen Rosenstock-Huessy? Drucken E-Mail

 

Geboren am 6. Juli 1888 in Berlin, gestorben am 24. Februar 1973 in Four Wells, Norwich, Vt. USA

Eugen Rosenstock-Huessy hätte wohl von sich sagen können, daß er viele Leben hatte:

  • als Kind emanzipierter Eltern jüdischer Herkunft, aufgewachsen mit sechs Schwestern,
  • als Student der Rechte
  • als der jüngste Privatdozent 1914,
  • als Kriegsteilnehmer (Offizier vor Verdun),
  • als erster Herausgeber der Daimler-Werkzeitung,
  • als erster Leiter der Akademie der Arbeit,
  • als Professor für Recht in Breslau,
  • als Anreger und Inspirator der freiwilligen Arbeitslager für Arbeiter, Bauern und Studenten in Schlesien,
  • als Historiker, Theologe, Soziologe vor der Hitler-Zeit,
  • als Emigrant 1933,
  • als Immigrant in den Vereinigten Staaten,
  • als Hochschullehrer in Harvard und am Dartmouth College, Hanover, New Hampshire,
  • als Initiator des Camp William James,
  • als Stifter der neuen Richtung der Erwachsenenbildung nach dem Ersten Weltkrieg und in demselben Sinne auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland,
  • als Autor einer Soziologie, die systematisch Gegenwart und Universalgeschichte umfaßt.
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Eckart Wilkens: Teil 1 - LEBEN des Eugen Rosenstock-Huessy Drucken E-Mail


Herkunft


Am 6. Juli 1888 wurde Eugen Moritz Friedrich Rosenstock als Sohn von Theodor und Paula Rosenstock in der Plantagenstraße 3 in Berlin geboren. Er hatte drei ältere und drei jüngere Schwestern. Er besuchte das Friedrich-Wilhelm-, dann das Joachimsthaler Gymnasium und machte 1906 Abitur. Danach Studium der Rechtswissenschaften in Zürich. Als einer, der, wie er es sagte, „als Christ aufgewachsener Gläubiger" war, ließ er sich in demselben Jahr auch taufen.


Hochschule


Das Examen rigorosum war am 22. April 1909. Er erlangte an der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg die Doktorwürde mit der Arbeit „Landfriedensgerichte und Provinzialversammlungen vom 9. bis 12. Jahrhundert". Dem Vaterland diente er als Einjährig-Freiwilliger bei der Artillerie in Kassel. 1912 habilitierte er sich mit der Arbeit „Ostfalens Rechtsliteratur unter Friedrich II." und war - mit 24 Jahren! - der jüngste Privatdozent an der juristischen Fakultät in Leipzig für Deutsches Privatrecht, deutsche Rechtsgeschichte, ab 1914 auch für Staatsrecht. Während eines Studienaufenthaltes in Florenz 1913-1914 lernte er seine Frau, die Schweizerin Margrit Huessy, kennen; die Trauung war am 29. Juni 1914 in Leipzig. Im selben Jahr erschien auch, was er sein Professorenbuch nannte: „Königshaus und Stämme in Deutschland zwischen 911 und 1250". Er war - mit 26 Jahren -, wie man so sagt, ein gemachter Mann.


Erster Weltkrieg


Während des ganzen Ersten Weltkriegs stand er als Offizier im Felde, unter anderem vor Verdun.

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