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Zur Taufe von J. am 30. April 2005
Liebe Frau A., lieber Herr A.,
die Ereignisse, die mit der Papstwahl verbunden sind, überschlagen sich zur Zeit. Immer wieder sehe ich mich zu einem neuen Ansatz bei diesem Brief an Sie herausgefordert. Nun aber rückt der Tauftag Ihrer Tochter J. in greifbare Nähe. Da muss endlich ein Anfang gemacht werden.
So erinnere ich mich zunächst einmal an Joseph Kardinal Ratzingers Schrift »Erlösung – mehr als eine Phrase?« Denn völlig zu Recht beginnt er mit Joseph Wittigs epochalem Zeitschriftenartikel »Die Erlösten« aus dem Jahr 1922, aber auffälliger Weise unter dem Verdikt, Wittigs Darstellung sei ›harmloser Spott‹. Was veranlasste ihn, hinter die Tatsache zurückzugehen, dass Eugenio Pacelli, der von 1920 bis 1929 als Nuntius in Berlin den Exkommunikationsprozess von Joseph Wittig in Breslau hautnah miterlebt und dann als Papst Pius XII. telegraphisch (vermutlich schon 1943) Wittigs Restitution angeordnet hat? Warum sah sich Kardinal Ratzinger ein halbes Jahrhundert später veranlasst, einem der Wegbereiter des II. Vatikanischen Konzils gegenüber den maßregelnden Ton des Breslauer Kardinals Bertram wieder aufzunehmen?
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Brief über Eugen Rosenstock-Huessy, Die europäischen Revolutionen und der Charakter der Nationen
Liebe Nikola,
Du hast mir schon mehr als einmal gesagt, Du wolltest in dem bevorstehenden Urlaub Rosenstock-Huessys Revolutionsbuch lesen, das ich Dir zu Deinem 30. Geburtstag geschenkt habe. Bisher ist nichts daraus geworden, vielleicht auch, weil das Buch so dick ist, und neben Deinem Zwölf-Stunden-Berufsalltag in Brüssel schreckt das erst recht ab.
Mit meinem Brief heute möchte ich Dir den Anfang erleichtern.
Dieses Geschichtsbuch habe ich zuerst 1954 als Schüler in der 2. Ausgabe von 1951 gelesen. In meinem Geschichtsstudium von 1955 - 1962 kam Rosenstock-Huessy zu meinem großen Erstaunen nicht vor, ja die Versuche, mit ihm zu arbeiten, wurden abgewiesen. Für mich ist diese Erzählung der Geschichte des 2. nachchristlichen Jahrtausends in Europa lebenslang die Orientierung darüber geblieben, in welchen historischen Kontext ich lebe.
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Eine Serie hinleitender Briefe zu Büchern von Eugen Rosenstock-Huessy, die im Buchhandel, antiquarisch oder in Bibliotheken relativ leicht zu finden sind.
Mit den Schreibern der Briefe können Sie per Mail korrespondieren.
Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen!
Wilmy Verhage, Koordinatorin
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