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Das Archiv wurde begründet von Dr. Georg Müller (1893-1978), dem Leiter der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Bethel bei Bielefeld und langjährigem Freund Rosenstock-Huessys. Es wird heute verwaltet und betreut von der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft und ist als Depositum untergebracht im Hauptarchiv der von-Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. (Adresse: Königsweg 1, 33617 Bielefeld, Tel.: 0521/1443255).
Das Archiv enthält einen Teilnachlass Rosenstock-Huessys, den Nachlass von Dr.Georg Müller samt seiner umfangreichen Privatbibliothek sowie die Altregistratur und eine Bibliothek der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft e.V., die 1963 in Bethel gegründet wurde.
Dr. Georg Müller (nicht zu verwechseln mit dem evangelikalen Waisenhausgründer von Bristol im 19. Jahrhundert gleichen Namens!) rezensierte 1933 in der Zeitschrift „Zwischen den Zeiten" die „Europäischen Revolutionen", nahm 1948 einen Briefwechsel mit Rosenstock-Huessy auf, der zu einer engen Freundschaft und zu einer intensiven Arbeitsgemeinschaft der beiden Männer führte.Kern des Archivs ist deshalb der Briefwechsel der beiden, der ca. 400 Briefe Eugen Rosenstock-Huessys umfasst, die von einem Mitglied der Gesellschaft, Walter Husemann, sämtlich transkribiert sind.
Unermüdlich versuchte Georg Müller in Deutschland, auf Eugen Rosenstock-Huessys Lehren aufmerksam zu machen, er korrespondierte mit akademischen Fachwissenschaftlern, Verlegern und Herausgebern von Zeitschriften. Davon zeugen 21 Aktenordner von 1948-1978. Georg Müller studierte eifrig unveröffentlichte Werke Eugen Rosenstock-Huessys, übersetzte englische Manuskripte und berichtete seinem Freund über alle relevanten Publikationen in Deutschland.
Sehr bald hatte er erkannt, dass Eugen Rosenstock-Huessys Lehren nicht nur eine Neuorientierung der Geschichtsschreibung bedeuteten, sondern dass dessen „Sprachdenken" die gesamte akademische Wissenschaft und Philosophie zur Umkehr herausforderte. Georg Müller beschäftigte sich intensiv mit anderen Sprachdenkern wie Franz Rosenzweig, Ferdinand Ebner, Martin Buber oder Hans Ehrenberg. So entstand im Laufe der Jahre ein Archiv, das auch diesen Denkern sich zuwandte und das Eugen Rosenstock-Huessy offensichtlich zu schätzen wusste, denn immer wieder kamen aus Four Wells, dem Wohnsitz Eugen Rosenstock-Huessys in Vermont/USA, Sendungen nach Bethel mit dem Vermerk „Fürs Archiv", und 1969 überließ Eugen Rosenstock-Huessy dem Archiv den sogenannten „Breslauer Koffer", der von Anna Henke, der treuen Haushälterin der Familie Rosenstock in Breslau, durch alle politischen Wirren gerettet werden konnte und der eine Fülle von Manuskripten, Dokumenten, Briefen aus der Breslauer Zeit (1923-1933) enthielt.
Georg Müller legte 8 Manuskriptkästen an, in die er Dokumente aus den verschiedenen Lebensstationen Eugen Rosenstock-Huessys (z.B. Patmos, Akademie der Arbeit, Breslau, Hohenrodter Bund) einordnete. Außerdem sammelte er Briefe und Dokumente in Dossiers, die bestimmten Personen zugeordnet sind.
Das Archiv wurde in den vergangenen Jahrzehnten angereichert durch viele Kopien von Manuskripten Eugen Rosenstock-Huessys, die sich im Original in Four Wells, aber auch durch Kopien von Briefen Eugen Rosenstock-Huessys aus anderen Archiven (z.B. Briefe von Ernst Michel). Alle Vorlesungen, die Eugen Rosenstock-Huessy in USA gehalten hat und die auf Tonband aufgenommen wurden, sind sowohl als Toncassetten als auch als Transkripte vorhanden. (Deutsche Tonbänder hat Dr. Rudolf Hermeier, Lahnstr.9, 63303 Dreieich, gesammelt.) Ebenfalls sind Fremdrecherchen in anderen Archiven dokumentiert (z.B. Institut für Zeitgeschichte, Bäuerle-Archiv, Bundesarchiv Koblenz).
Vom Archiv in Four Wells, das den größeren Teil des Nachlasses Eugen Rosenstock-Huessys enthält, ist eine knapp gefasste Bestandsübersicht vorhanden. Das Vereinsarchiv der Eugen Rosenstock-Huessy-Gesellschaft enthält alle Veröffentlichungen (Mitteilungen und Rundbriefe) der Gesellschaft, Protokolle und Unterlagen ihrer Jahrestagungen.
Das Archiv ist bemüht, Originalbriefe Eugen Rosenstock-Huessys zu sammeln. Das ist zuletzt mit den Briefen an Sabine Leibholz, der Zwillingsschwester Dietrich Bonhoeffers, gelungen.
Gottfried Hofmann, Apfelstr. 209, 33611 Bielefeld, Tel.: 0521/81493, E-Mail:
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